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Document d'accompagnement Ernst Barlach

Par Maren Butzheinen : Lectrice - ENS de Lyon
Publié par Marie Laure Durand le 05/02/2012
Der nicht selten dem Expressionismus zugeordnete Bildhauer Ernst Barlach - auch bekannt aus Kontext der Entarteten Kunst - wird abseits des politischen Hintergrundes als Künstler vorgestellt, der sein Leben der Darstellung des Menschen und seiner ursprünglichsten Merkmale gewidmet hat. Seine Plastiken, die dieses Anliegen eindrücklich widerspiegeln, werden in diesem Zusammenhang beispielhaft vorgestellt und in den Kontext von Leben und Einstellung des Künstlers eingegliedert. Es wird gezeigt, wie sie mit Schülern im Deutschunterricht erschlossen werden können.

Die beschriebenen Aufgaben eignen sich vor allem als Einstieg in das Thema "Ernst Barlach", da sie einen Zugang zu seiner Kunst und seinem Leben ermöglichen sollen. Von diesem Lernstand aus kann nahtlos zu der Thematik des verfolgten Künstlers im Dritten Reich übergegangen werden ("Lieux et formes du pourvoir", cycle terminal). Die Schüler sollten somit offen und motiviert genug sein, sich mit dem Künstler und seinem spezifischen, historischen Kontext auseinanderzusetzen.

Beispiel für die Erschließung einer Skulptur

 

 "Frierende Alte": ernst-barlach.com/barlach-pl-609-frierende-alte.html

 

Für die folgenden Ausführungen wurde beispielhaft die "Frierende Alte" gewählt - die Aufgaben können aber mit jeder anderen Skulptur durchgeführt werden.

Eine Möglichkeit wäre, die Schüler in Gruppen zu verteilen. Sie sollten mindestens zu dritt oder zu viert arbeiten, damit ein ergiebiger Austausch ermöglicht werden kann.

 

Die Ergebnisse könnten dann von jeder Gruppe als kurzes Referat präsentiert werden.

1. Nachstellung der Skulptur

 

Einer der Schüler soll versuchen, die Haltung der in der Skulptur dargestellten frierenden Alten einzunehmen. Die anderen Schüler geben ihm Anleitung, was er verändern muss, um die exakte Position zu erfassen. Hierbei wird das Vokabular bezüglich der verschiedenen Körperteile reaktiviert oder, je nach vorherigem Lernstand, erweitert. Ebenso werden die Ausdrucksmöglichkeiten geschult, wenn es darum geht, Bewegungen und Körperhaltungen zu beschreiben. (z.B. "Du musst deine Hände ein wenig weiter um die Beine legen, sodass sich die Finger berühren"; "Deine Beine müssen stärker angewinkelt sein"...).

Wenn die richtige Stellung gefunden wurde, sollte ein Foto gemacht werden (dank Handykameras sollte dies kein Problem sein), aus derselben Position, aus der die Skulptur aufgenommen wurde. Dieses Bild kann später noch als nützliche Vergleichsmöglichkeit dienen.

Diese handlungsorientierte Aufgabe kann als spielerischer, kreativer Zugang zur Erschließung der Kunst Ernst Barlachs gewählt werden. Wenn die Schüler die nötige Offenheit mitbringen, kann diese Aufgabe durch eine respektvolle Zusammenarbeit sehr viel Spaß machen (allein dadurch, dass es immer ein wenig lustig ist, eine Skulptur nachzustellen, auch wenn sie ein nicht sehr fröhliches Motiv darstellt). Somit wird die Motivation gefördert und zugleich die Bereitschaft, sich mit dem Thema intensiver zu befassen. Außerdem erfordert diese Aufgabe von dem Schüler, der die Skulptur imitieren soll, eine große Fähigkeit zur Identifikation - zugleich lernt er, das Kunstwerk "am eigenen Leib zu spüren". Die anderen Mitglieder der Gruppe werden zu einer genauen Beobachtung gezwungen - auch hierdurch wird die Skulptur, selbst in ihren Details, von ihnen genau erfasst.

2. Beschreibung des emotionalen Gehalts und des Ausdrucks der Skulptur

a. Der Schüler, der das Kunstwerk nachstellt, soll, wenn er die exakte Position der anderen gefunden hat, noch eine kurze Zeit in dieser Stellung verharren, damit die andern Schüler Zeit haben, den Ausdruck seiner Körperhaltung (schriftlich, stichpunktartig) zu beschreiben. Anschließend erklärt der Schüler, der die Skulptur "von innen her" erleben durfte, was er in seiner Position gefühlt hat. Somit ist bereits ein Teil des emotionalen Gehaltes der Skulptur erfasst. Durch die Zusammenführung des äußeren und inneren Erlebens des Werkes Barlachs wird deutlich, wie unterschiedlich (oder auch wie ähnlich) subjektives Fühlen und distanzierte Beobachtung sein können - ein wichtiger Aspekt im Hinblick auf Identifikationsfähigkeit und interkulturelle Kompetenz, die im Fremdsprachenunterricht bei unterschiedlichsten Gelegenheiten geschult werden sollten.

 

b. Nun muss das Kunstwerk selbst betrachtet werden. Inwiefern geht dieses über die nachgestellte, "fleischgewordene" Darstellung hinaus? Hier können formale Aspekte entdeckt werden, wie die Struktur des Holzes, die Abstraktion in dem Sinne, dass auf unnötige Details verzichtet wurde und somit eine entindividualisierte Darstellung entstanden ist oder die formgebende Gestaltung des Gewandes beispielsweise. Hier kann es nötig sein, den Schülern das für die Beschreibung von (Holz-)Skulpturen nötige Vokabular an die Hand zu geben, das aufgrund der konkreten Anwendungsmöglichkeit sicherlich besser behalten werden kann.

c. Aus den Erkenntnissen dieser beiden Aufgabenteile bereiten die verschiedenen Gruppen ein kurzes Referat vor. Dabei sollten nach Möglichkeit das Foto des Schülers und der tatsächlichen Plastik präsentiert werden, damit allen der Unterschied beider Darstellungen deutlich wird. Wenn jede Gruppe ihre Skulptur auf diese Weise vorgestellt hat, kann davon ausgegangen werden, dass ein grundlegender Zugang zur Kunst Barlachs gefunden wurde.

3. Verfassen einer Geschichte über das Leben der Person, die hinter der Skulptur steht

Was hat die Figur dazu gebracht, sich in der dargestellten Lage zu befinden?

Die Schüler sollten sich hier die Skulptur aussuchen, die ihnen am "inspirierendsten" erscheint.

Diese Aufgabe lässt sich in Einzel- oder Partnerarbeit lösen, je nachdem ob individuelle Identifikation und Kreativität geschult oder ob der Austausch, die Erfahrung der möglichen Kollision zweier subjektiver Meinungen ermöglicht werden sollen.

In jedem Fall führt diese Aufgabe zu einem vertieften Verständnis der Intention Barlachs, das Wesen, die Essenz des Menschen darzustellen: Die Skulptur liefert den Rahmen, in dem über individuelle Schicksale nachgedacht werden kann. Dies wird dadurch zu erfahren sein, dass jeder Schüler beziehungsweise jede Zweiergruppe zu derselben Plastik einen anderen Menschen beschreiben wird.

Beispiel für die weiterführende Erschließung des Lebenslaufs Ernst Barlachs

Wie muss ein Künstler gedacht und gelebt haben, der solche Skulpturen erschafft?

a. Hier könnten zuerst in Form eines "Brainstormings" Ideen und faktisches Wissen über Ernst Barlach an der Tafel als "Mindmap" festhalten werden. Um zu verdeutlichen, dass es sich um Vermutungen handelt, sollten die jeweiligen Aspekte mit einem Fragezeichen markiert werden, um den Eindruck zu verhindern, dass es sich um seine tatsächliche Biografie handeln könnte.

b. Anschließend können die Schüler, einzeln oder wieder in Gruppen, eine kleine imaginäre Biografie schreiben, die sie dann den Mitschülern vorlesen und in der sie auf folgende Fragen geantwortet haben: In welcher Zeit hat der Künstler gelebt? In was für einer Familie mag er aufgewachsen sein? Welches Verhältnis hatte er zu seinen Mitmenschen? Welcher Religion gehörte er an? Wodurch wurde seine Kunst beeinflusst?

c. Am Ende wird der Lehrer, oder ein Schüler, der zum Beispiel als Hausaufgabe als einziger die Biografie gelesen hat und die Antworten kennt, das "Geheimnis lüften", indem er die "richtige" Antwort zu jeder Frage nennt. Es sollte nach jeder Antwort gefragt werden, inwiefern sich die genannten Aspekte anhand von Barlachs Kunst nachvollziehen lassen. Somit wird eine tiefgründige Auseinandersetzung mit seinem Leben und dessen Bezug zu seiner Kunst ermöglicht.

Von diesem Lernstand aus sollten die Schüler bereit, kompetent und offen genug sein, um sich mit dem Hintergrund des Dritten Reiches und der entarteten Kunst auseinanderzusetzen.

Anmerkung

Die Aufgaben richten sich an Schüler, die bereits ein solides Basisvokabular des Deutschen erlangt haben. Sie dürfen außerdem bei dieser Art offener und kreativer Aufgaben keine Angst haben, Fehler zu machen - sonst könnte ihr Erfindungsgeist gehemmt werden.

Es ist außerdem wichtig, dass sie nicht allzu schüchtern sind, sonst könnten sie Probleme haben, sich mit den handlungsorientierten und kreativen Aufgaben zu befassen oder sich überhaupt zu äußern. Es muss eine Atmosphäre der Offenheit und gegenseitigen Toleranz herrschen, damit es keinem "peinlich" sein muss, eine Skulptur nachzustellen oder Gefühle zu äußern. Wenn dies gewährleistet wird, ist ein wichtiger Aspekt des Fremdsprachenlernens erfüllt - die Fähigkeit, das Risiko zu ertragen, nicht alles "richtig" zu machen, sich selbst Fehler zu erlauben und sich im Gegenzug darüber zu freuen, wenn es gelingt, den Mitmenschen seine Ideen und Gedanken trotzdem so adäquat zu äußern, dass sie von allen anderen verstanden und nachvollzogen werden können.

 

Pour citer cette ressource :

Maren Butzheinen, "Document d'accompagnement Ernst Barlach", La Clé des Langues [en ligne], Lyon, ENS de LYON/DGESCO (ISSN 2107-7029), février 2012. Consulté le 23/09/2018. URL: http://cle.ens-lyon.fr/allemand/arts/peinture-et-sculpture/document-d-accompagnement-ernst-barlach

Ernst Barlach im Kunstunterricht

Beispiel 10. Klasse Lutherschule Bielefeld: lutherschule-bielefeld.de/kunstunterricht

"Der Schwebende"

Videopräsentation des berühmtesten Werkes Barlachs : youtube.com (Dauer 4'50)

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