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11. Januar 2017 - "Elphie" ist eröffnet

Publié par Cécilia Fernandez le 11/01/2017

Hamburgs neues Wahrzeichen
Frank Pergande (FAZ)
11. Januar 2017

Erst Millionengrab, jetzt Juwel: Die Elbphilharmonie, „Elphi“ genannt, wird am heutigen Mittwoch eröffnet. Das neue Wahrzeichen Hamburgs steht auch für Politik, die sich nicht einschüchtern lässt.

Alles an der Elbphilharmonie, an Hamburgs neuem Wahrzeichen, ist beeindruckend. Wer hätte das nach den schier endlosen Querelen gedacht. Der Glasbau mit seiner aus mehr als tausend Elementen bestehenden Fassade, der wie ein Juwel auf dem alten Backstein-Kaispeicher A thront – eine grandiose Komposition. Der große Konzertsaal mit 2100 Plätzen, wegen der Akustik ausgekleidet mit einer sogenannten weißen Haut – ein schon jetzt gefeierter Klangraum. Die Orgel – sie wird nur in Superlativen beschrieben. Der Ausblick über Hafen und Stadt von der „Plaza“ aus – überwältigend. Die Rolltreppe, Tube genannt, die 37 Meter hoch durch den alten Speicher hindurchführt und dabei eine interessante Biegung vollführt – eine ingenieurtechnische Meisterleistung, die es zuvor noch nicht gab. Die Eigentumswohnungen, die Hotelzimmer mit weitem Blick über die Elbe – sie dürften ihren Nutzern ein Gefühl phantastischer Unwirklichkeit geben.
Allerdings beeindrucken auch die Kosten. Ein Konzertsaal für fast 800 Millionen Euro – auch das hat es noch nicht gegeben. Auf wunderbare Weise jedoch sind die Kosten und überhaupt all der Ärger der zurückliegenden Jahre vergessen. Der Hamburger Tourismusbetrieb ist sich sicher, dass sich die Kosten bald amortisiert haben.

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Freiheitsstatue des Bürgertums?
Matthias Hertle (FAZ)
11. Januar 2017

Horrende Kosten und eine endlose Bauzeit: Der Bau der Hamburger Elbphilharmonie wurde von zahlreichen Irrtümern begleitet. Wir haben einige davon dokumentiert.
 

August 2004: Der Steuerzahler wird nicht belastet.

Gefragt, was Hamburg zur Finanzierung des Baus der Elbphilharmonie beitrage, antwortet Karin von Welck (parteilos), Kultursenatorin unter Bürgermeister Ole von Beust (CDU), in der „Welt“: „Das anteilige Grundstück für die Philharmonie-Nutzung. Der Grundstücksanteil für die Mantelbebauung wird durch die Querfinanzierung der Philharmonie-Baukosten ausgeglichen.“ (3. August 2004)

Die Konzerthalle auf dem Kaispeicher A schlug der Investor und Architekt Alexander Gérard Ole von Beust 2003 vor. Ohne dass der öffentliche Haushalt belastet werden müsse, versprach Gérard, lasse sich so das Konzerthaus finanzieren. Nur das Grundstück müsse die Hansestadt herausgeben, ohne eine geldwerte Gegenleistung dafür zu verlangen. Gérard schätzte, dass sich die Kosten auf nicht mehr als 75,3 Millionen Euro belaufen. Unter dem Eindruck des Architektenentwurfs von Jacques Herzog und Pierre de Meuron überzeugte Gérards Konzept den Senat.

Heute belaufen sich die Gesamtkosten für den Bau der Elbphilharmonie auf 865,65 Millionen Euro. Die Hansestadt übernimmt davon 789,05 Millionen. Ein Blick nach Dänemark hätte genügt, um erkennen zu können, dass Gérards Schätzungen zu optimistisch waren. Die Baukosten des viel kleineren Kopenhagener Konzerthauses wurden 1999 noch mit umgerechnet rund 81 Millionen Euro veranschlagt. Schließlich kostete der Bau etwa 229 Millionen Euro.

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Die Elbphilharmonie ist eröffnet

Reinhard J. Brembeck (Süddeutsche Zeitung)
11. Januar 2017

Bundespräsident Joachim Gauck lobt den Zauber ihrer Gegensätze. Bei Musikern zählt sie schon jetzt zu den begehrtesten Konzertsälen der Welt.

Nach Jahren des Wartens und der Bau- und Finanzskandale ist sie jetzt endlich eröffnet. Schon bevor der erste Ton von Beethovens "Prometheus"-Ouvertüre erklang, hatte die Elbphilharmonie in Hamburg eine lange Geschichte - daran erinnerte Bundespräsident Joachim Gauck bei der Eröffnung am Mittwochabend: "Sie galt als Traum und als Albtraum, als Weltstar und als Witz, als Blamage und als Wunder." Sie lebe nun vom Zauber der Gegensätze, von der ästhetischen Spannung.

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"Ein Juwel der Kulturnation Deutschland"
kry/dpa (Spiegel Online)
11. Januar 2017

Musiker schwärmen vom "warmen Klang", Politiker sehen sie jetzt schon als historisches Prestigeobjekt: Jahrelang galt die Elbphilharmonie als Baudesaster, doch bei der Eröffnung sind die Gäste begeistert.
 

Sie soll die Weltspitze der Konzerthäuser werden: Nach fast einem Jahrzehnt Bauzeit ist die Hamburger Elbphilharmonie am Mittwochabend eröffnet worden. 2100 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur sind zu dem Festakt gekommen - und zeigten sich begeistert. "Ein Ort, an dem die verbindende, inspirierende und beglückende Kraft der Musik für alle spürbar wird", sagte Bundespräsident Joachim Gauck.

Die Popularität und die Anziehungskraft der Elbphilharmonie seien eine große Chance, mehr Menschen für klassische Musik zu begeistern. Gauck ermunterte die Stadt: "Nutzen Sie die Möglichkeiten, die dieses Haus Ihnen bietet." Dann werde aus der Elbphilharmonie, was viele Hamburger sich wünschten: "das Wahrzeichen einer weltoffenen, vielfältigen Metropole - und ein Juwel der Kulturnation Deutschland".

Berlin -

Für den gerade erst ernannten Baustaatssekretär der Linken, Andrej Holm, wird es eng. Sein überraschendes  Geständnis vom Mittwoch, bei seinem Lebenslauf für eine Anstellung an der Berliner Humboldt-Universität (HU) falsche Angaben zu seiner Stasi-Zeit gemacht zu haben, sorgt für Irritationen in der rot-rot-grünen Koalition, insbesondere in der SPD. „Es gibt Aufruhr in der Partei“, sagte ein gut vernetzter Sozialdemokrat der Berliner Zeitung. „Viele finden: Der Mann ist nicht mehr zu halten.“ Auch renommierte DDR-Historiker wie Ilko-Saschea Kowalczuk und  Jens Gieseke werfen Holm vor, die Unwahrheit gesagt zu haben.

Der 46-jährige Soziologe und Stadtforscher Holm hatte der HU verschwiegen, dass er von September 1989 bis Januar 1990 hauptamtlicher Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit war. Stattdessen hatte er in einem Fragebogen nur seine militärische Grundausbildung beim Stasi-Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ angegeben. Ihm sei jetzt erst durch Einblick in seine Kaderakte klar geworden, dass er hauptamtlich als Offiziersschüler beim Ministerium für Staatssicherheit (MfS) beschäftigt gewesen sei, erklärte Holm. Seinen Lebenslauf habe er korrigiert nachgereicht. Die HU prüft derzeit rechtliche Konsequenzen. Auch der Senat hat, wie bei jedem neuen Staatssekretär, eine Regelanfrage bei der Stasi-Unterlagen-Behörde gestartet.

– Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/25302198 ©2016

Alexander Van der Bellen konnte den Vorsprung auf Norbert Hofer bei höherer Wahlbeteiligung ausbauen, er steht als Bundespräsident fest. Die FPÖ bekräftigt, auf eine Anfechtung zu verzichten - derstandard.at/2000048771312/Van-der-Bellens-Wahlsieg-fiel-deutlicher-aus-als-erwartetAlexander Van der Bellen konnte den Vorsprung auf Norbert Hofer bei höherer Wahlbeteiligung ausbauen, er steht als Bundespräsident fest. Die FPÖ bekräftigt, auf eine Anfechtung zu verzichten - derstandard.at/2000048771312/Van-der-Bellens-Wahlsieg-fiel-deutlicher-aus-als-erwarte

Es ist kurios, dass eine Buchpreisrunde mit einer fußballmetaphernhaltigen Verleihung endet. Aber erst die wichtigen Dinge. Bodo Kirchhoff hat am Montagabend im Kaisersaal des Frankfurter Römers den mit 25.000 Euro dotierten Deutschen Buchpreis zugesprochen bekommen. – Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/24932162 ©2016

Es ist kurios, dass eine Buchpreisrunde mit einer fußballmetaphernhaltigen Verleihung endet. Aber erst die wichtigen Dinge. Bodo Kirchhoff hat am Montagabend im Kaisersaal des Frankfurter Römers den mit 25.000 Euro dotierten Deutschen Buchpreis zugesprochen bekommen.

Der Deutsche Buchpreis zeichnet den „Besten Roman“ eines Jahrgangs aus, „Widerfahrnis“ ist eine Novelle, aber Kirchhoff mendelte sich beim fortschreitenden großen Lesen zunehmend als Favorit unter den letzten sechs der Nominierten heraus – der vielleicht noch am häufigsten genannte Mitfavorit Thomas Melle hat äußerst gezielt gar keine Fiktion geschrieben, so viel dazu.

Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/24932162 ©2016

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Hamburg, deine Perle

Rabea Weihser (Zeit Online)

12. Januar 2017

 

Der teuerste Konzertsaal der Welt ist eröffnet, beklatscht von Angela Merkel, Joachim Gauck, Reichen und Prominenten. Erfüllt die Elbphilharmonie die hohen Erwartungen?

Am Kaiserkai vor einer der vielen Sicherheitsabsperrungen stehen zwei Rentner mit Pappschildern. Er: "Erst 70, dann 700 Mio. Steuern!" Sie: "Suche Karte." So sieht's aus am Abend der Elbphilharmonie-Eröffnung. Die Verzögerungen, absurden Kostensteigerungen und öffentlichen Zankereien während der Bauphase des Konzerthauses stecken den Hamburgern in den Knochen. Und trotzdem können sie sich nur schwer der Anziehungskraft dieses architektonischen Glanzstücks entziehen. Wenn es schon von außen so schön ist, mit seinem gleißenden, sich schürzenden und auftürmenden Glaskorpus, wie wird es dann erst innen sein, wo die rund um die Bühne geschwungenen Ränge in ihrer weißen Gipshaut warm leuchten wie die Sinterterrassen von Pamukkale? Ja, und wie klingt er denn nun, der teuerste Musiksaal der Welt?

200.000 Menschen haben sich um Gratistickets für die beiden Eröffnungskonzerte beworben. Heute, am 11. Januar, dürfen 500 von ihnen zusammen mit 1.600 geladenen Gästen das Haus einweihen. Das macht man nach zehnjähriger Wartezeit und mindestens 110 Meter hohen Erwartungen nicht einfach mit Musik, sondern natürlich vorweg mit einem Festakt samt höchsten politischen und gesellschaftlichen Würdenträgern.

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Elbphilharmonie-Kosten im Vergleich: Fast schon bescheiden
Benjamin Bidder (Spiegel Online)
11. Januar 2017

 

Die Elbphilharmonie als Geldverbrennungsmaschine: Der Hamburger Prestigebau hat viel mehr verschlungen als geplant. Im Vergleich mit anderen globalen Großprojekten wirkt die Kostensteigerung jedoch fast niedlich.

"Elphi" nennen viele in Hamburg schon jetzt das neue Konzerthaus Elbphilharmonie, das am Mittwoch sein Eröffnungskonzert feiert. Das klingt - Kostenexplosion hin oder her - geradezu liebevoll.

Anderen Großprojekten weltweit ist es da schlechter ergangen. So nennt der Volksmund im kanadischen Montreal das 1976 eröffnete Olympiastadion nicht mehr "Big O", sondern "Big Owe - die große Schuld". Montreal stotterte drei Jahrzehnte lang mühsam die Kredite ab, die das Stadion der Stadt in den Siebzigerjahren eingebrockt hatte.

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Liebe Hamburger, Weltklasse geht leider anders
Manuel Brug (Welt)
12. Januar 2017

Das Eröffnungskonzert sollte die Akustik des neuen Klanghauses zur Geltung bringen. Das ist offenbar misslungen. Es gibt einen Grund, warum der Klang nicht hält, was die Architektur verspricht.

F-Dur. Dominantseptakkord-Schläge. Trockener als trocken. Alles sitzt auf der Stuhlkante. Orchester wie Auditorium. „Die Geschöpfe des Prometheus“. Eine Ballettmusik. Ludwig van Beethovens erste Ouvertüre. 1801 in Wien uraufgeführt. 216 Jahre später erklingt sie nun als erstes offizielles Musikstück vor einem geladenen Publikum in der bereits vorab zum „Weltwunder“ hochgekochten Hamburger Elbphilharmonie. Festakt. Gleich kommen Erster Bürgermeister und Bundespräsident mit Reden dran, auch die musikliebende Kanzlerin sitzt im Saal. Allergrößter Kulturbahnhof.

Ja, das könnte was, werden, denke ich. Obwohl ich reichlich seltsam sitze, Block I, Reihe Vier, Platz 24. Bitte merken! Ich schaue auf das Orgelspielpult, schräg daneben sind die Hörner positioniert. Ok, denke ich. Mutig. Halb hinter dem Orchester. Aber was soll’s? Der Saal, oval, fast so breit wie hoch, soll ja überall gut klingen, eine akustische Offenbarung sein. Funktioniert zunächst auch. Kleine Besetzung des NDR Elbphilharmonie Orchesters, ab jetzt hier Hausensemble. Es klingt knusprig, die Musik hat Platz, aber man spürt schon: Hier hört man grausam alles, jeden Ansatzfehler, jeden unsauberen Bogenstrich, jedes Hüsteln auf dem Podium. Es kommt direkt, ehrlich, fast hart. Für Barockmusik ideal.

Dann sagen Olaf Scholz und Joachim Gauck Schönes, Ehrliches, Ungeschminktes, ja auch Anrührendes. Der Bundespräsident improvisiert wieder mal. „Elphie ist aufgemacht“, kalauert er. Ein Gemeinwesen, 500 normale, durch das Los bestimmte Hamburger sind ebenfalls im Saal, freut sich, was es, allen Widrigkeiten zum Trotz, doch noch gestemmt hat. Heute wollen wir hier alle bessere Menschen sein, veredelt durch Musik, die im ältesten Fall schon 1589 unsere Vorfahren erfreut hat. Ein Sieg funktionierender Demokratie, initiiert von Bürgersinn, auch zum Teil bezahlt von Mäzenen, der große Rest von 789 Millionen freilich durch unserer aller Steuern.

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Ode an die Freude
Werner Theurich (Spiegel Online)
12. Januar 2017

Premiere geglückt! Das erste Konzert in der neuen Hamburger Elbphilharmonie gelang nicht nur pannenfrei, sondern nahezu perfekt. Die Gäste jubelten, Programm und Interpretation überzeugten, das Finale schäumte fast wie an Silvester.
 

"Schön, dass wir keinen Angriff auf die offene Gesellschaft feiern, sondern eine Bereicherung derselben." Mit diesen Worten eröffnete der Architekt Jacques Herzog ein Bauwerk, sein Bauwerk, das schon jetzt als neue architektonische Ikone in der Hansestadt gilt.

"Freu dich, Hamburg!", rief Bundespräsident Joachim Gauck den 2100 Gästen des ersten Elbphilharmonie-Konzerts zu, nachdem er sich zuvor sanfte Seitenhiebe in Sachen HSV und St. Pauli sowie sorgsamem Umgang mit Steuergeldern nicht verkneifen wollte.

Sein Grußwort zum Festakt im Großen Saal des Konzerthauses folgte Beethovens Ouvertüre zu "Die Geschöpfe des Prometheus", man hatte also schon eine Kostprobe des als erlesen angekündigten Raumklangs der Konzertarena erlebt. Und da war schon ein Ruck durchs Publikum gegangen, denn so analytisch klar, filigran aufgefächert und lupenrein entfaltet erklang Beethoven bisher nicht in dieser Stadt.

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Pour citer cette ressource :

"11. Januar 2017 - "Elphie" ist eröffnet", La Clé des Langues [en ligne], Lyon, ENS de LYON/DGESCO (ISSN 2107-7029), janvier 2017. Consulté le 28/09/2020. URL: http://cle.ens-lyon.fr/allemand/revue-de-presse/11-januar-2017-elphie-ist-eroffnet