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6. April 2017 - Ein Dokumentarfilm über Goebbels Sekretärin Brunhilde Pomsel

Publié par Cécilia Fernandez le 04/09/2017

Joseph Goebbels ehemalige Sekretärin ist tot
dpa, AFP, sk (Zeit)
30. Januar 2017

Sie arbeitete im engsten NS-Führungszirkel, will von der Judenvernichtung aber erst nach dem Krieg erfahren haben. Mit 106 Jahren ist Brunhilde Pomsel gestorben.
Die frühere Sekretärin des NS-Propagandaministers Joseph Goebbels ist tot. Brunhilde Pomsel sei im Alter von 106 Jahren in der Nacht auf Samstag in München gestorben, bestätigte der Filmemacher Christian Krönes, der den Dokumentarfilm Ein deutsches Leben über die Erinnerungen Pomsels produziert hat. Enge Freunde der Verstorbenen hatten ihn informiert.
Pomsel hatte 1942 im Propagandaministerium der Nationalsozialisten als Sekretärin begonnen. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 arbeitete sie in dem von Goebbels geleiteten Ministerium. Das Ende des Kriegs erlebte sie im Führerbunker in Berlin, wo sie sich bis zum Tod Adolf Hitlers am 30. April 1945 aufhielt. Ihre eigene Rolle im Nationalsozialismus bezeichnete Pomsel bis zum Ende als unbedeutend, von der Judenvernichtung wollte sie trotz ihrer Nähe zum engsten NS-Führungszirkel nichts mitbekommen haben. "Nichts haben wir gewusst, es ist alles schön verschwiegen worden und das hat funktioniert", sagte sie in dem Dokumentarfilm. Erst nach dem Krieg sei ihr das Ausmaß der Geschehnisse bewusst geworden.
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Die Sekretärin von Goebbels erzählt. Ein bisschen

Sven Felix Kellerhoff (Welt)
05. April 2017
 

Wollt ihr die totale Erinnerung? Der Dokumentarfilm „Ein deutsches Leben“ rückt Brunhilde Pomsel, die langjährige Sekretärin von Joseph Goebbels, in ein spektakuläres neues Licht.

Wie war es möglich? Diese Frage schwebt über der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts: Wie war es möglich, dass ein Volk, das schon Jahrzehnte in einem Rechtsstaat gelebt hatte, wenn auch nur wesentlich kürzer in einer Demokratie, ab 1933 in die Abgründe der Barbarei versank?
Natürlich wurde nicht jeder Deutsche zum direkten Profiteur, erst recht nicht zum Mörder. Dennoch waren praktisch alle Erwachsenen Mitwisser der Ausgrenzung und der Kriegspolitik. Wie das möglich war und wie Menschen sich damit im Rückblick auseinandersetzten, ist das Thema der Dokumentation „Ein deutsches Leben“.
Dieser Film ist ein Ereignis – wegen seiner über 100-jährigen Protagonistin, genauer: wegen des Lichtes, in das sie gerückt wird. Das ist ganz konkret gemeint: Vor allem Ausleuchtung und Kameraführung sorgen dafür, dass Brunhilde Pomsels vom Alter gezeichnetes Gesicht den Zuschauer fesselt.

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Kino: Ein umstrittener neuer Film porträtiert Goebbels' Sekretärin
Stefan Grissemann (profil)
05. April 2017
 

Brunhilde Pomsel war die Sekretärin des NS-Propagandaministers Joseph Goebbels. Im Alter von 103 Jahren sprach sie vor der Kamera erstmals ausführlich über ihre Erinnerungen und ihre Schuld. Jetzt kommt die bedrückende Dokumentation ins Kino.

Der Besuch der alten Dame bietet wenig Grund zur Freude. Der kalte Hauch der Vernichtungsgeschichte des 20. Jahrhunderts weht einen an, wenn man in ihr Gesicht, in ihre dunklen Augen blickt, wenn sie ihre Stimme erhebt und ungerührt von den Dingen erzählt, die sie in den letzten Kriegsjahren im Inneren des NS-Machtzirkels erlebte. Brunhilde Pomsel wurde 1911 geboren, im selben Jahr wie Bruno Kreisky, Louise Bourgeois, Ronald Reagan oder Josef Mengele. Der Film "Ein deutsches Leben" ist (ähnlich wie André Hellers und Othmar Schmiderers Interviewfilm "Im toten Winkel", der 2002 Hitlers Sekretärin Traudl Junge porträtierte) ein Stück oral history, das Selbstzeugnis einer Frau, die im nationalsozialistischen Berlin durch Anpassung und Realitätsverweigerung zu den Mächtigen des Terrorregimes aufstieg, zwischen 1942 und 1945 sogar als Sekretärin für Propagandaminister Joseph Goebbels arbeitete. 102 Jahre war Brunhilde Pomsel alt, als sie 2013 in einem Münchner Filmstudio erstmals vor den Kameras eines österreichischen Filmteams Platz nahm (der zweite Drehblock fand im Frühling 2014 statt, nach ihrem 103. Geburtstag), um Auskunft zu geben über die Ereignisse im untergehenden "Dritten Reich", aber auch, um sich von einem Generalverdacht reinzuwaschen: Keiner habe sich damals Gedanken über die KZs gemacht; man habe sie für "Umerziehungslager" für Kriminelle gehalten. "Nichts haben wir gewusst." Das sei alles schön verschwiegen worden und habe gerade dadurch so gut funktioniert. Man sei sozusagen eingesperrt gewesen, "wie unter einer Glocke", das ganze Land ein tödliches Gefängnis: "Wir waren ja selber alle ein riesiges Konzentrationslager." Nach der Premiere im Rahmen der Grazer Diagonale läuft "Ein deutsches Leben" Ende dieser Woche regulär in österreichischen und deutschen Kinos an.

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"Wir lebten alle in einem riesigen KZ"
Christian Schröder (der Tagesspiegel)
08. April 2017


Als Sekretärin von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels hat sie in der Zentrale des Bösen gearbeitet. Von Verbrechen will Brunhilde Pomsel aber nichts gewusst haben.

Zu den mildesten Formen der Selbstkritik zählt die rhetorische Frage. „Ist es denn schlecht, ist es denn Egoismus, wenn der Mensch versucht, auf dem Platz, auf den er gestellt wurde, etwas zu tun, was für ihn gut ist?“, fragt die alte Dame. Die Antwort, die sie hören möchte, lautet: Nein. Aber es kommt keine Antwort, es gibt im Dokumentarfilm „Ein deutsches Leben“ überhaupt keine Off-Stimme, nur die Anekdoten, Erinnerungen und Rechtfertigungen von Brunhilde Pomsel, die 103 Jahre alt war, als sie vor der Kamera saß.
In der Zentrale des Bösen
Pomsel, die Anfang des Jahres mit 106 Jahren gestorben ist, hat sozusagen in der Zentrale des Bösen gearbeitet, sie war eine der Sekretärinnen von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels, folgte ihm bei Kriegsende in den Luftschutzbunker des Ministeriums, durchlitt fünf Jahre in sowjetischen Lagern und setzte ihre Karriere bei der ARD fort. Ein deutsches Leben, gewiss, aber längst nicht so schuldbeladen wie das des Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß, den Götz George im Spielfilm „Aus einem deutschen Leben“ verkörpert hat. Aus Pomsels so außergewöhnlichem wie durchschnittlichen Leben sind jetzt ein Buch (mit Thore D. Hansen, Europaverlag) und dieser Film hervorgegangen, der gleich vier Regisseure hat, Christian Krönes, Olaf S. Müller, Roland Schrotthofer und Florian Weigensamer.

Berlin -

Für den gerade erst ernannten Baustaatssekretär der Linken, Andrej Holm, wird es eng. Sein überraschendes  Geständnis vom Mittwoch, bei seinem Lebenslauf für eine Anstellung an der Berliner Humboldt-Universität (HU) falsche Angaben zu seiner Stasi-Zeit gemacht zu haben, sorgt für Irritationen in der rot-rot-grünen Koalition, insbesondere in der SPD. „Es gibt Aufruhr in der Partei“, sagte ein gut vernetzter Sozialdemokrat der Berliner Zeitung. „Viele finden: Der Mann ist nicht mehr zu halten.“ Auch renommierte DDR-Historiker wie Ilko-Saschea Kowalczuk und  Jens Gieseke werfen Holm vor, die Unwahrheit gesagt zu haben.

Der 46-jährige Soziologe und Stadtforscher Holm hatte der HU verschwiegen, dass er von September 1989 bis Januar 1990 hauptamtlicher Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit war. Stattdessen hatte er in einem Fragebogen nur seine militärische Grundausbildung beim Stasi-Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ angegeben. Ihm sei jetzt erst durch Einblick in seine Kaderakte klar geworden, dass er hauptamtlich als Offiziersschüler beim Ministerium für Staatssicherheit (MfS) beschäftigt gewesen sei, erklärte Holm. Seinen Lebenslauf habe er korrigiert nachgereicht. Die HU prüft derzeit rechtliche Konsequenzen. Auch der Senat hat, wie bei jedem neuen Staatssekretär, eine Regelanfrage bei der Stasi-Unterlagen-Behörde gestartet.

Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/25302198 ©2016

Alexander Van der Bellen konnte den Vorsprung auf Norbert Hofer bei höherer Wahlbeteiligung ausbauen, er steht als Bundespräsident fest. Die FPÖ bekräftigt, auf eine Anfechtung zu verzichten - derstandard.at/2000048771312/Van-der-Bellens-Wahlsieg-fiel-deutlicher-aus-als-erwartetAlexander Van der Bellen konnte den Vorsprung auf Norbert Hofer bei höherer Wahlbeteiligung ausbauen, er steht als Bundespräsident fest. Die FPÖ bekräftigt, auf eine Anfechtung zu verzichten - derstandard.at/2000048771312/Van-der-Bellens-Wahlsieg-fiel-deutlicher-aus-als-erwarte

Es ist kurios, dass eine Buchpreisrunde mit einer fußballmetaphernhaltigen Verleihung endet. Aber erst die wichtigen Dinge. Bodo Kirchhoff hat am Montagabend im Kaisersaal des Frankfurter Römers den mit 25.000 Euro dotierten Deutschen Buchpreis zugesprochen bekommen. – Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/24932162 ©2016

Es ist kurios, dass eine Buchpreisrunde mit einer fußballmetaphernhaltigen Verleihung endet. Aber erst die wichtigen Dinge. Bodo Kirchhoff hat am Montagabend im Kaisersaal des Frankfurter Römers den mit 25.000 Euro dotierten Deutschen Buchpreis zugesprochen bekommen.

Der Deutsche Buchpreis zeichnet den „Besten Roman“ eines Jahrgangs aus, „Widerfahrnis“ ist eine Novelle, aber Kirchhoff mendelte sich beim fortschreitenden großen Lesen zunehmend als Favorit unter den letzten sechs der Nominierten heraus – der vielleicht noch am häufigsten genannte Mitfavorit Thomas Melle hat äußerst gezielt gar keine Fiktion geschrieben, so viel dazu.

Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/24932162 ©2016

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Im Halbschlaf in die NS-Diktatur
Anna Fastabend (SZ)
07. April 2017

Der Dokumentarfilm "Ein deutsches Leben" porträtiert Brunhilde Pomsel - im Dritten Reich Sekretärin von Joseph Goebbels. Ein Rückblick, bei dem einem mulmig zumute wird.

Am Anfang ist es beklemmend still. Nur das erwartungsvolle Summen der Aufnahmegeräte ist zu hören. Die Kamera zeigt das Gesicht einer über hundert Jahre alten Frau. Es ist von Falten zerfurcht, die durch die Schwarz-weiß-Optik des Films noch verstärkt werden. Die Falten erzählen von einem ereignisreichen Leben, das untrennbar mit dem Aufstieg und Niedergang der Nationalsozialisten verbunden ist. Der Blick von Brunhilde Pomsel ist konzentriert, das Kinn nachdenklich in die Handfläche gestützt. Wo soll sie nur anfangen?

Unpolitisch, feige und naiv

Brunhilde Pomsel, die diesen Januar im Alter von 106 Jahren gestorben ist und nach dem Krieg als Chefsekretärin bei der ARD arbeitete, war so nah dran am NS-Regime wie nur wenige. Sie arbeitete von 1942 bis Kriegsende als Sekretärin im Büro des Propagandaministers Joseph Goebbels. Rückblickend bezeichnet sie sich in der Dokumentation "Ein deutsches Leben" als unpolitisch, feige und naiv. Die über Hundertjährige erzählt von einer Berliner Kindheit, die durch den blinden Gehorsam den Eltern gegenüber geprägt war. Der Vater hämmerte ihr mit Schlägen das preußische Pflichtbewusstsein ein. Als ihr erster Freund sie zu einer Rede von Hermann Göring in den Sportpalast mitnahm, kannte sie den nationalsozialistischen Politiker nicht. "Politik, wieso? Bin ja auch 'ne Frau, muss ja auch nicht." So erklärte sie ihrem Freund, dass sie nie wieder zu so einem Haufen stinkender Männer mitkäme. Doch ehe sie sich versah, war sie mittendrin. Als ihr Arbeitgeber, ein jüdischer Rechtsanwalt, wegen des erstarkenden Antisemitismus kaum noch Aufträge erhielt, brauchte die Stenotypistin einen neuen Job. Über den besagten Freund geriet sie 1933 an den nationalsozialistischen Schriftsteller und Radiosprecher Wulf Bley und tippte dessen Kriegsmemoiren ab. Nach der Machtergreifung verschaffte Bley ihr einen Job als Sekretärin beim Rundfunk. Von dort wechselte sie während des Krieges ins Ministerbüro.

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Goebbels Sekretärin Pomsel: „Das waren Egoisten, da war nichts von Vaterlandsliebe“
Lisa Kleine (Focus)
09. April 2017

Brunhilde Pomsel arbeitete als Sekretärin für Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels. In dem österreichischen Kinofilm „Ein deutsches Leben“ spricht sie so ausführlich wie nie zuvor über ihre Erfahrungen. Wir zeigen Ausschnitte des letzten Interviews der kürzlich verstorbenen Zeitzeugin.

Lange hat Brunhilde Pomsel geschwiegen, doch am Ende ihres Lebens erzählte sie ausführlich von den Jahren zwischen 1942 und 1945, in denen sie für den Propagandaminister arbeitete. In einem neuen Dokumentarfilm gibt die "Randfigur" Einblicke in das NS-Machtzentrum. Der Film kommt am 6. April in die Kinos.
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Pour citer cette ressource :

"6. April 2017 - Ein Dokumentarfilm über Goebbels Sekretärin Brunhilde Pomsel", La Clé des Langues [en ligne], Lyon, ENS de LYON/DGESCO (ISSN 2107-7029), septembre 2017. Consulté le 13/11/2018. URL: http://cle.ens-lyon.fr/allemand/revue-de-presse/6-april-2017-ein-dokumentarfilm-yber-goebbels-sekretarin-brunhilde-pomsel