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27. September 2019 - Zum Tod von Jacques Chirac

Publié par Cécilia Fernandez le 28/09/2019

Jacques Chirac - Frankreichs sympathischster Präsident

Rudolf Balmer (Neue Zürcher Zeitung, 26/09/2019)

Jacques Chirac ist gestorben. Nach einer langen Karriere als Parlamentarier, Pariser Bürgermeister, Regierungschef und schliesslich Staatspräsident war er im Ruhestand populärer als alle anderen Ex-Staatschefs vor und nach ihm.

Die Würdigungen des verstorbenen französischen Staatsmannes Jacques Chirac sind einstimmig. Sie kommen gleichermassen von seinen ehemaligen Parteifreunden im bürgerlich-konservativen Lager wie von den früheren linken Gegnern, mit denen der ehemalige Staatspräsident in manchen Fragen gelegentlich mehr politische Affinitäten hatte als mit seiner eigenen politischen Familie. Wie schon sein sozialistischer Vorgänger François Mitterrand ist der üblicherweise als Neogaullist etikettierte Chirac politisch nicht so einfach einem der beiden grossen Lager in Frankreich zuzuordnen. Vor dem Totenbett des Ex-Präsidenten sind nun die Gegner erst recht in einer für Frankreich seltenen Eintracht versammelt.

Die Devise «Über die Toten nichts ausser Gutes» galt für Jacques Chirac schon zu Lebzeiten. Es ist vielleicht eine Form von Zynismus, wenn die veröffentlichte Meinung in Frankreich Politiker, die wie er während seiner Amtszeit in allen Tonlagen kritisiert wurden, sogleich in den Himmel lobt, sobald sie als politisch tot gelten. So geschah es Chirac, sobald er am Ende seiner zwölfjährigen Präsidentschaft in den Ruhestand trat, bereits von Krankheit geschwächt. Seine schärfsten Kritiker sagten seither allenfalls, ihnen sei von diesen beiden Mandaten nichts Spektakuläres in Erinnerung geblieben. Das notorisch reformträge Frankreich habe in den Jahren 1995–2007 eine Chance zur Modernisierung und Liberalisierung verpasst.

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Jacques Chirac - Der menschliche "Bulldozer"

Andreas Noll (Deutsche Welle, 26/09/2019)

Mit Kanzler Schröder bot er im Irakkrieg den USA die Stirn, an der Europäischen Verfassung scheiterte er und die Justiz verurteilte ihn. Nun ist Frankreichs Ex-Staatspräsident Jacques Chirac mit 86 Jahren verstorben.

Am Ende wagte er sich nur noch selten an die Öffentlichkeit. Der Mann, den politische Gegner und Unterstützer "den Bulldozer" nannten, war nach einem Schlaganfall angeschlagen - körperlich und seelisch. Allenfalls über seine Frau Bernadette, seine treue Begleiterin aus Studienzeiten, erfuhren die Franzosen von Zeit zu Zeit Neuigkeiten aus seinem luxuriösen Appartement am linken Seine-Ufer. Nun gab die Familie den Tod des 86-Jährigen bekannt.

Mehr als 40 Jahre stand Jacques René Chirac im politischen Rampenlicht. Begonnen hatte seine Karriere 1962. Nach dem Abschluss an den beiden Elite-Hochschulen Sciences Po und ENA ergatterte der 30-Jährige eine Stelle als Mitarbeiter der Regierung von Premierminister Pompidou. Unter seiner Führung übernahm Chirac wenige Jahre später erste Ministerposten, um dann unter Staatspräsident Valéry Giscard d'Estaing für zwei Jahre zum Premierminister aufzusteigen.

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Der Nahbare

Britta Sandberg (Spiegel Online, 26/09/2019)

Jacques Chirac war ein beliebter, aber auch ein streitbarer Präsident für Frankreich. Er war einer der letzten Vertreter einer eindeutigeren politischen Welt, die es nicht mehr gibt.

In den Stunden nach dem Tod Jacques Chiracs zeigte sich ein Frankreich, das man so nicht mehr kannte: kein gespaltenes Land, sondern ein einiges Land. Im Minutentakt kondolierten Marine Le Pen vom rechtspopulistischen Rassemblement National, Sozialisten, Gaullisten und Macron-Anhänger. Sogar der zum Poltern neigende Jean Luc-Mélenchon von der linken Partei La France Insoumise bekannte, man müsse die Trauer nun einfach zulassen, es gebe gute Gründe für sie.

Es waren nicht die üblichen, routinierten Erklärungen, die sonst dem Tod greiser Politiker folgen. Chirac war schon seit Jahren schwer krank gewesen und hatte sich nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt. Jeder wusste, wie es um ihn stand. Und dennoch wirkten all diese Nachrufe aufrichtig traurig, ihre Verfasser seltsam erschüttert.

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Machtbewusster Charmeur im Élysée-Palast

Lilith Volkert (Süddeutsche Zeitung, 26/09/2019)

Kein französischer Präsident hat vergleichbare Wahlerfolge erreicht wie Jacques Chirac - und kein anderer wurde bisher zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Nun ist Chirac im Alter von 86 Jahren gestorben.

Wer mit mehr als vier Fünftel der Stimmen zum Präsidenten gewählt wird, macht sich in einer Demokratie gemeinhin verdächtig. Jacques Chirac gelingt dieses Kunststück jedoch auf legalem Wege: 82,1 Prozent der Franzosen stimmen am 5. Mai 2002 für ihn - und damit gegen den rechtsextremen Jean-Marie Le Pen. Mit einem Wahlerfolg, in dessen Nähe kein anderer Präsident der Fünften Republik kommt, geht Jacques Chirac in die französischen Geschichtsbücher ein.

Allerdings wird man sich an ihn auch wegen einer weniger ruhmreichen Premiere erinnern: Als erstes ehemaliges Staatsoberhaupt Frankreichs wird Chirac vor Gericht gestellt und im Dezember 2011 - unter anderem wegen Untreue - zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Als Pariser Bürgermeister soll er 28 Mitarbeiter, die Wahlkampf für ihn machten, zum Schein bei der Stadt beschäftigt haben.

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Wie ein "Vater der Nation"

Michaela Wiegel (FAZ, 26/09/2019)

Viele Franzosen blicken mit Nostalgie auf die „Ära Chirac“ zurück und verehren den damaligen Präsidenten. Nun ist Jacques Chirac im Alter von 86 Jahren gestorben.

Zum Schluss haben die Franzosen Jacques Chirac wie einen „Vater der Nation“ verehrt. Daran konnte auch die Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe im Jahr 2011 nichts ändern. Mit großer Verzögerung war ein Strafverfahren wegen illegaler Parteienfinanzierung gegen Chirac eröffnet worden. Bei der Urteilsverkündung war der frühere Präsident schon so krank, dass er auf ein Berufungsverfahren verzichtete. Mit Nostalgie blicken viele Franzosen auf die „Ära Chirac“ von 1995 bis 2007 zurück, in der das Land sich den wirtschaftlichen Reformzwängen weitestgehend entzog.

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Der letzte französische Präsident von Format

Sascha Lehnarzt (Welt, 26/09/2019)

Er aß gern Kalbskopf, mit Helmut Kohl trank er Bier – Jacques Chirac war konservativ und bodenständig. Er scheiterte an Wirtschaftsreformen, aber die Franzosen liebten ihn. Zwölf Jahre war er im Amt. Nun ist er mit 86 Jahren gestorben.

Im Alter von 86 Jahren ist der ehemalige französische Präsident Jacques Chirac am 26. September 2019 im Kreis seiner Angehörigen verstorben. Zwölf Jahre lang, von 1995 bis 2007, war er französischer Staatschef.

Jacques Chirac war der letzte französische Präsident, dessen Karriere noch zu Zeiten Charles de Gaulles begonnen hatte. Und man darf wohl sagen, er war der letzte, der zumindest noch ansatzweise das Format besaß, in die überlebensgroßen Fußstapfen zu treten, die der General jedem einzelnen seiner Nachfolger hinterlassen hatte.

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Frankreich mochte ihn, trotz aller Skandale

Gero von Randow (Zeit Online, 26/09/2019)

Jacques Chirac ist tot. Er war 12 Jahre lang Präsident, aber kein Reformer. Er hat den Franzosen nicht viel zugemutet, von ihm bleiben zwei zentrale Entscheidungen.

In den vergangenen Jahren war das eine regelmäßige Szene: Ein sehr fragiler Jacques Chirac, gestützt auf einen Sicherheitsbeamten, nähert sich vorsichtig der Pariser Brasserie Le Concorde, um dort sein abendliches Bier zu trinken. Tagsüber hatte er in seinem Büro in der nahe liegenden Rue de Lille gesessen und ein wenig telefoniert. Er empfing auch Besucher, allerdings kamen immer weniger. Hin und wieder hörte man noch von ihm, von seinem schwindenden Gedächtnis, nur die anzüglichen Witze soll er immer noch präsent gehabt haben. Am heutigen Donnerstag ist Jacques René Chirac, ehemals Premierminister und Präsident Frankreichs, im Alter von 86 Jahren gestorben.

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