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14. September 2018 - Räumung im Hambacher Forst

Publié par Cécilia Fernandez le 14/09/2018

Pour comprendre le contexte, un article de 2017:

Kampf um den Hambacher Forst

Patrick Große (Deutsche Welle, 29/11/2017)

Ein Wald soll dem Braunkohletagebau weichen. Aktivisten kämpfen dagegen, sie bauen Baumhäuser, blockieren Straßen, errichten Barrikaden. Und wirklich: Am Ende feiern sie einen Erfolg. Drei Tage im Hambacher Forst.

"Vielleicht ist es das letzte Mal, dass wir den Wald in dieser Schönheit sehen." Michael Zobel ist niedergeschlagen; er hat Tränen in den Augen. Er muss heute Abschied nehmen von einem Ort, der zu einem Teil seines Lebens geworden ist. Am vergangenen Sonntag (26.11.2017) läuft der Aachener sichtlich bewegt durch den Hambacher Forst, ein Waldgebiet in der Nähe von Köln.

Michael Zobel ist Waldführer und bietet einmal im Monat Touren durch den 12.000 Jahre alten Forst an. Doch das könnte bald vorbei sein: Der Energiekonzern RWE will den Wald komplett roden. Es sollen Böschungen für den angrenzenden Braunkohletagebau entstehen. Die Rodungen sollen bereits einen Tag später, am Montag, beginnen.

Baumhäuser als Barrikaden

Michael Zobel hat Gesellschaft: Mehrere hundert Menschen sind an diesem Tag mit ihm im Wald. Viele liegen sich in den Armen. Sie beweinen das Schicksal des Waldstücks, das zu ihrer Heimat geworden ist.

Und sie haben Angst vor dem, was in den kommenden Tagen passieren wird. "Die Stimmung ist sehr angespannt", erzählt Zobel. Vor allem bei den rund 200 Personen, die in den kommenden Wochen den Wald verteidigen wollen.

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Die letzte Chance des Waldes

Benedikt Müller (Süddeutsche Zeitung, 13/09/2018)

Der Energiekonzern RWE will vom 1. Oktober an die nächsten 100 Hektar des Hambacher Forsts roden lassen, um dort Braunkohle für seine Kraftwerke zu gewinnen.
Umweltaktivistien demonstrieren - auch, weil das Ende des Kohlestroms absehbar ist.
Noch deckt die Kohle aus Hambach 15 Prozent des Energiebedarfs in Nordrhein-Westfalen.

Vom uralten Hambacher Forst ist wahrlich nicht viel übrig. Einst wucherten Buchen und Eichen auf 4100 Hektar, heute misst der Wald, gut 30 Kilometer westlich von Köln gelegen, nur noch etwa 200 Hektar. Denn unter ihm schlummert Braunkohle, die der Energiekonzern RWE aus der Tiefe holt, um sie in seinen Kraftwerken zu verfeuern. Da die großen Schaufelradbagger immer näher an den Wald rücken, will RWE vom 1. Oktober an die nächsten 100 Hektar roden lassen.

Das ist legal, aber äußerst umstritten. Vor zwei Jahren hat die damalige, rot-grüne Landesregierung in Düsseldorf entschieden, dass der Tagebau bis in den Forst vorrücken darf. Umweltverbände versuchen bis heute vergeblich, vor Gericht gegen diese Leitentscheidung vorzugehen. Sie verweisen auch auf geschützte Tierarten wie die Bechsteinfledermaus, den Springfrosch oder die Haselmaus, die in dem Wald leben. Ein letzter Prozess zeichnet sich am 14. Oktober vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster ab, dem höchsten Gericht Nordrhein-Westfalens.

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Über allen Wipfeln ist Lärm

Jana Stegemann und Christian Wernicke (Süddeutsche Zeitung, 13/09/2018)

Mit mehr als 2000 Polizisten ist die Räumung des Hambacher Forsts einer der größen Polizeieinsätze in der Geschichte Nordrhein-Westfalens.
Offiziell ist der Grund für den Einsatz, dass die Baumhäuser der Waldbesetzer nicht genehmigt sind und eine Brandgefahr darstellen.
Umweltverbände sprechen von einer "überflüssigen Provokation".

Aller Anfang ist schwer, manchmal gilt das auch für den Anfang vom Ende: Nur 80 Meter weit dringt der rote Kranwagen bis zum Spätnachmittag vor, manchmal setzt der schwere Dreiachser mit Hebebühne sogar zurück, um Platz zu machen für anderes schweres Gerät. Etwa für den Sattelschlepper, der mit seinem Greifarm eine Barrikade aus dem Weg räumt und, nach mehr als fünf Stunden Einsatz, die ersten Baumstämme aus dem Hambacher Forst karrt. Oben fluchen zwei Baumbesetzer, der Motor heult auf, dann ist wieder Waldesruh. Polizisten, RWE-Mitarbeiter, Journalisten, alle schauen schweigend zu. An der Lichtung klickt die Kamera eines Fotografen.

Der Tag X ist da, die Räumung hat begonnen. Mehr als 3000 Polizisten hat der Staat am Donnerstag aufgeboten, um 120, vielleicht 150 Besetzer aus ihren 51Baumhäusern zu holen. Bis zum Abend nehmen sie sechs Aktivisten in Gewahrsam, zu jedem Baumhaus gibt es eine Akte, inklusive GPS-Daten. Der Hambacher Forst, Symbol für den Widerstand gegen Braunkohle und Klimawandel, mutiert zum Schauplatz für einen der größten Polizeieinsätze in der Geschichte Nordrhein-Westfalens. Behelmte Hundertschaften, Feuerwehr, Sprengstoffexperten, HIT-Teams. HIT steht für Höheninterventionsteams, Spezialeinheiten, die in 20 Metern Höhe oder noch höher die Waldbesetzer aus den Wipfeln holen sollen. Zwei der Experten stehen am Nachmittag neben ihrem Mannschaftswagen und blicken zurück ins Geäst: "Das wird hier ewig dauern." Wochen, vielleicht mehr als einen Monat.

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Jagd durch die Wipfel

Christian Parth (Zeit Online, 13/09/2018)

Mit SEK, Wasserwerfern und Baumfällmaschinen will die NRW-Landesregierung im Hambacher Forst klare Verhältnisse schaffen. Die Räumung wird mit einem Kniff durchgesetzt.

Grelle Schreie hallen durch den Wald. Es nieselt, graue Wolken liegen über dem Hambacher Forst, der seit Donnerstagmorgen Krisengebiet ist. Unten am Boden marschieren gepanzerte und behelmte Hundertschaften der Polizei zwischen den Bäumen umher. Auf der Zugangsstraße zu diesem Stück Natur, das gerade wohl umkämpfter ist als jedes andere in Deutschland, parken Dutzende Mannschaftswagen.

Die Polizei hat scheinbar alles aufgeboten, was irgendwie verfügbar war: unzählige bewaffnete Beamte mit Schilden, Sondereinsatzkommandos, Reiter- und Hundestaffeln, Wasserwerfer, Baumfällmaschinen, Räumfahrzeuge. Der Staat schickt an diesem Donnerstagvormittag eine unmissverständliche Botschaft: Hier sollen eindeutige Verhältnisse geschaffen werden.

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Räumung im Hambacher Forst: "Wir brauchen eine Denkpause"

Helena Kaschel (Deutsche Welle, 13/09/2018)

Im Hambacher Forst hat auf Anordnung der NRW-Landesregierung die Räumung von besetzten Baumhaussiedlungen begonnen. Umweltaktivisten werfen Polizei und Politik vor, die Lage zu eskalieren.

"Alerta, alerta, Antifascista", tönt es aus dem Dickicht - sei Wachsam, Antifaschist. Wem die Stimme gehört, ist nicht zu erkennen - zu weit ist die Absperrung, hinter der Fernsehteams ihre Kameras aufgebaut haben, vom Ort des Geschehens entfernt. Auf der anderen Seite des Flatterbands, umgeben von schweren Räumfahrzeugen und Polizisten mit Schutzhelmen und -schilden, ist ein "Höheninterventionsteam" der Polizei im Einsatz: Die Beamten versuchen, Umweltaktivisten zu erreichen, die einen Tripod - ein meterhohes Holzkonstrukt aus drei Baumstämmen - und ein nahegelegenes Baumhaus besetzt haben. 

Die Aktion ist Teil der Räumung des seit Jahren von Braunkohlegegnern besetzten Hambacher Forsts, die die schwarz-gelbe Landesregierung angeordnet hat. Bauministerin Ina Scharrenbach und Innenminister Herbert Reul argumentierten, bei den Baumhäusern handele es sich um "bauliche Anlagen", die nicht nach dem Bauordnungsrecht genehmigt worden seien. Aufgrund eines "massiven Verstoßes gegen Brandschutzvorschriften" gebe es eine "Gefahr für Leib und Leben". Aus Sicht der Umweltaktivisten macht sich die Landesregierung damit zum Erfüllungsgehilfen des Energiekonzerns RWE, der den Hambacher Forst ab Mitte Oktober roden will, um den Braunkohletagebau voranzutreiben.

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