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14. Februar 2018 - Die 5. Jahreszeit geht zu Ende

Publié par Cecilia Fernandez le 14/02/2018

Karneval im Sonnenschein, aber nicht ohne Diskussionen

dpa (FAZ, 08/02/2018)

Die Narren sind los - aber vielleicht nicht ganz so wild wie sonst: Köln streitet über Alkohol-Exzesse, dazu kommt noch die MeToo-Debatte.

In den närrischen Hochburgen hat am Donnerstag um 11.11 Uhr unter blauem Himmel der Straßenkarneval begonnen. In vielen Städten stürmten die Frauen an Weiberfastnacht die Rathäuser und übernahmen symbolisch die Macht. So nahmen in Düsseldorf die alten „Möhnen“ traditionell den Bürgermeister gefangen. In Bonn griffen die Waschweiber an. In Köln forderte das Dreigestirn die Stadtschlüssel ein. In Mainz versammelten sich die Narren am Fastnachtsbrunnen.

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Die paar Bierleichen

Joachim Käppner (Süddeutsche, 10/02/2018)

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker übt Kritik am Karneval in der Stadt. Die Tradition verkomme immer mehr zu einem "allgemeinen Besäufnis". Christoph Kuckelkorn, Präsident des Festkomitees in der närrischen Stadt am Rhein, widerspricht der Bürgermeisterin. "Dieses Gerede, es werde nur getrunken, kann man doch nicht mehr aushalten", sagt er.

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker ist eine unerschrockene Frau. Anders würde sie es schwerlich aushalten an der Spitze der anarchischsten aller deutschen Großstädte. Aber diesmal hätte sie vielleicht ein zweites Mal überlegen sollen, wem sie da ihr Missfallen ausspricht. Ihre Klage: Der Karneval sei "zu etwas geworden, das eher einem allgemeinen Besäufnis entspricht, als dem, was unsere Karnevalskultur ausmacht". Das war, um im Bilde zu bleiben, der erste Böllerschuss für die "Hölle in Kölle"-Fehde, die nun, falls so etwas überhaupt möglich ist, die tollen Tage in der Stadt überschattet. Denn Christoph Kuckelkorn höchstpersönlich, Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, trat zur Verteidigung der, wie es in Büttenreden gern heißt, närrischen Hochburg Colonia an.

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Grokolores

Christian Wernicke (Süddeutsche, 12/02/2018)

Die Mottowagen-Konstrukteure hatten es einfach in diesem Jahr: Union und vor allem die SPD lieferten mit der politische Realsatire während der Regierungsbildung die perfekten Vorlagen für Karnevalsscherze.

Er nennt seine Kunst schlicht "Satire auf Rädern", und mit seinen Großplastiken hat Jacques Tilly, der Star unter Deutschlands Wagenbauern, auch am Rosenmontag 2018 ins Schwarze getroffen. Der SPD sei Dank. Gleich zweimal verewigte der 54-jährige Düsseldorfer das Elend der Sozialdemokraten. Zuerst mit einem gescheiterten Martin Schulz, der sich selbst durch einen Fleischwolf dreht und zu Hackfleisch verwurstet; dann mit der (noch) lachenden Erbin, auf deren roter Brust der Satz prangt: "Das ENDE ist NAHles".

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Die verwandelte Stadt

Jörg Malitzki (Welt, 12/02/2018)

Der Kölner Karneval ist einfach da. Überall. Wie eine Naturgewalt. Ob Sie wollen oder nicht, es gibt kein Entkommen. Sehen Sie die erstaunlichen Bilder eines Karnevalfans – mit Vorher-Nachher-Effekt!

Zuerst die schlechte Nachricht: Wenn Sie diesen Text lesen, werden Sie nie eines der schönsten, aufregendsten, verrücktesten Dinge erleben können, die das irdische Dasein zu bieten hat. Denn Sie wissen jetzt Bescheid. Spätestens jetzt.

Das Erlebnis, als Nicht-Kölner völlig ahnungslos am Mittwoch vor Weiberfastnacht in Köln zu sein und über Nacht zu bleiben. Vielleicht, weil Sie dort einen Geschäftstermin haben. Vielleicht, weil Sie als Tourist gerade auf der Durchreise sind. Vielleicht auch, weil Sie davon gehört haben, dass dieser Karneval ja eine tolle Sache sein soll, und Sie sich den jetzt auch mal selbst ansehen wollen.

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"Helau und Schalom"

Kristian Frigelj (Welt, 10/02/2018)

Mit 1,3 Tonnen koscheren Kamellen gegen Antisemitismus: Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf stellt zum ersten Mal einen Wagen beim Rosenmontagsumzug. Und kommt damit der Nachbarstadt zuvor.

Michael Szentei-Heise öffnet eine Sperrholztür am Heck des Karnevalswagens und steigt einige schmale Stufen hinauf. Dann steht er gewissermaßen an Deck, wie ein Kapitän. Von dort aus wird der 63-Jährige mit seiner 24-köpfigen Crew beim kommenden Rosenmontagszug Tausende Bonbons zu den Feiernden werfen. Statt eines Segels wurde ein großes weißes Schild mit der Aufschrift „Jüdische Gemeinde Düsseldorf“ aufgestellt.

Es wackelt ein wenig, als Szentei-Heise über die dicken Bohlen geht. Der Wagen wird wie die anderen von einem Traktor gezogen. „Die fahren mit drei, vier Stundenkilometern. Besonders stark wird es nicht schwanken, aber sich bewegen schon“, sagt Szentei-Heise.

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"Kostüme sind nicht unschuldig"

Interview durch Vanessa Vu (Zeit Online, 08/02/2018)

Viele Karnevalskostüme reproduzieren koloniales Denken, sagt die Kulturwissenschaftlerin Noa K. Ha. Warum nicht mal als Kartoffel gehen statt als "Indianer"?

ZEIT ONLINE: Bald verkleiden sich wieder Menschen in ganz Deutschland, unter anderem als "Indianer", "lustiger Afrikaner" oder "Chinese". Woher kommt die Faszination für diese längst überholten Klischees?

Noa K. Ha: Es ist die Faszination für das vermeintlich Andere, das Fremde und Exotische, das viele Europäer seit der Kolonialzeit suchen. Dass diese Anderen gar nicht so anders waren, sondern auch Menschen mit Familien und Alltag, das spielte keine große Rolle. Man brauchte das Andere, um sich selbst davon zu distanzieren und über die Anderen zu erhöhen. Man projizierte Fantasien auf sie, machte sich lustig über sie. Dieses Muster besteht bis heute fort.

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