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Daniel KEHLMANN: "Die Vermessung der Welt"

Par Tanja Barthelmes
Publié par MDURAN02 le 19/07/2007

Humboldts Weltreise und Gauß' Genie

Die Vermessung der Welt. Reinbek bei Hamburg, Rowohlt Verlag, 2005, 31. Auflage, 304 S. ISBN 978-3-498-03528-0

 
Die Vermessung der Welt ist das bislang erfolgreichste Buch des 1975 geborenen Schriftstellers, der zuvor schon mit dem Roman Ich und Kaminski (2003) international bekannt wurde. Für seine Romane und Erzählungen erhielt Kehlmann zahlreiche Auszeichnungen. Die französische Ausgabe erschien 2007 unter dem Titel Les Arpenteurs du monde in der Übersetzung von Juliette Aubert. Seit 2005 existiert auch eine Hörspielfassung des Romans, gesprochen von Ulrich Matthes.
Mit dem Naturforscher Alexander von Humboldt (1769-1859) und dem Mathematiker, Astronomen und Physiker Carl Friedrich Gauß (1777-1855) wählt Kehlmann zwei große Wissenschaftler und Intellektuelle des 19. Jahrhunderts zu den beiden Protagonisten seines Romans.
Dieser beginnt im Jahre 1828 mit Gauß' Reise von Göttingen nach Berlin, einer Einladung Humboldts zum Deutschen Naturforscherkongress folgend. Das Treffen der beiden Wissenschaftler fungiert als Rahmenhandlung, die gegen Ende des Buches wiederaufgenommen wird. Während der Leser Humboldt, den pflichtversessenen Empiriker, und seinen treuen, wenn auch missmutigen Gefährten Bonpland, auf ihren abenteuerlichen Expeditionen begleitet, erforscht Gauß, der abstrakte Denker, am heimischen Schreibtisch das Wesen der Zahlen und die Weiten des Weltalls, hin- und hergerissen zwischen hochfliegenden wissenschaftlichen Gedanken und den Niederungen des Alltags. Von der Spannung beider Figuren, die auf das Trefflichste Weltkenntnis und Weltfremdheit in sich vereinen, lebt der Roman.
Durch eine geschickte Mischung von Fakten und Fiktion ist der Roman weder Theoriestück noch bloße Biographie; er ist vielmehr historischer Roman und Abenteuerroman zugleich. Kehlmann versteht es, viele kurze, kompakt verdichtete Anekdoten und Situationen aneinander zu fügen, denen der Leser manchmal etwas atemlos folgen muss. Der distanziert-ironische Blick des Erzählers, eine ironisch-humorvolle Grundtonalität und ein durchweg lakonischer Stil gehen einher mit der lebhaften Dialogkunst des Autors. Darüber hinaus werden Fragestellungen (Welche Opfer verlangt Wissenschaft? Was treibt den Forscher wirklich an?) thematisiert und Themen angesprochen (das Verhaftetsein dem eigenen Zeitalter, die Willkür des Schicksals, die Sterblichkeit alles Lebendigen, das unaufhaltsame Verrinnen der Zeit), die den Leser zum Nachdenken bringen und dem Roman eine Tiefendimension verleihen, die weit über das Anekdotische hinausreicht.

Tanja Barthelmes
lectrice à l'ENS LSH

Stand: 20. Juni 2007

 

Pour citer cette ressource :

Tanja Barthelmes, "Daniel KEHLMANN: "Die Vermessung der Welt"", La Clé des Langues [en ligne], Lyon, ENS de LYON/DGESCO (ISSN 2107-7029), juillet 2007. Consulté le 17/10/2018. URL: http://cle.ens-lyon.fr/allemand/litterature/fiches-de-lecture/daniel-kehlmann-die-vermessung-der-welt-