22. Juni 2017 - Zum Tod von Helmut Kohl am 16. Juni

Helmut Kohl ist tot
(FAZ)
16. Juni 2017


Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl ist am Freitagmorgen in seinem Haus in Ludwigshafen gestorben. Der langjährige CDU-Vorsitzende und „Kanzler der Einheit“ wurde 87 Jahre alt.

Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl ist tot. Das bestätigte die CDU auf ihrem Twitter-Account. Auch Kohls Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner bestätigte den Tod gegenüber der Deutschen Presseagentur. Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung über den Tod des Altkanzlers berichtet. Demnach starb Kohl am Freitagmorgen in seinem Haus in Ludwigshafen im Alter von 87 Jahren. Kohl war von 1982 bis 1998 Bundeskanzler.

Seit einem Sturz und Schädel-Hirn-Trauma 2008 war Kohl schwer krank und saß im Rollstuhl. 2015 hatte sich sein Zustand deutlich verschlechtert, nach monatelangem Klinikaufenthalt kam er aber wieder zu Kräften. Im April 2016 hatte er zuhause in Oggersheim Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orban empfangen.

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"Herzhaft und rauflustig; ein
Bauchmensch"
Pressestimmen zum Tod von Helmut Kohl
(Spiegel Online)
17. Juni 2017


Die internationale Presse würdigt Helmut Kohl vor allem als großen Staatsmann - und bezeichnet ihn unter anderem als "Eisernen Kanzler", "Bonvivant" und "netten Strickjackenträger aus Germany".

"Frankfurter Allgemeine Zeitung": "Kohl verkörperte für das Ausland nicht mehr den hässlichen, sondern den verlässlichen Deutschen. Ihm glaubte man, dass Deutschland seine Lektionen aus zwei Weltkriegen gelernt hat. Ihm nahm man ab, dass sein Bekenntnis zu einem vereinten Europa tiefster innerer Überzeugung entsprang."

(…...) Treue und Loyalität waren ihm überaus wichtig. Doch wenn er von der Notwendigkeit und Richtigkeit einer Sache überzeugt war, ließ er sich von nichts und niemandem beirren. Das galt für den Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz wie für den Oppositionsführer im Bundestag, für den Kanzler des Nato-Doppelbeschlusses wie für den Ruheständler, dem sein Ehrenwort über das Gesetz ging.

(…...) Wer aber hat den Friedensnobelpreis verdient, wenn nicht er?"

"Süddeutsche Zeitung": "Dass unter Kohls Regierung aus BRD und DDR das Deutschland entstand, in dem wir heute leben, war sein größtes Verdienst. Er ist, vorangetrieben vom Freiheitswillen der Menschen in Mittelosteuropa, zum Kanzler der Einheit geworden.

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Was Kohl mir über die Deutschen beibrachte

Ein Gastbeitrag von Patricia Clough (Zeit Online)
17. Juni 2017


Er war provinziell, dröge, ein Redner, dem es an Charisma mangelte. Und er hatte Erfolg! Ich brauchte lange, um das zu verstehen. Kohls britische Biografin erinnert sich.

Ich hätte gelacht, wenn das damals jemand unterstellt hätte – wir sprechen von den späten Siebzigern und frühen Achtzigern –, aber Helmut Kohl hat mir eine Menge über die Deutschen beigebracht. Einige Jahre lang wollte ich es nicht lernen, nicht einmal als er zum ersten Mal Kanzler wurde. Denn als ich anfing, als Times-Korrespondentin ernsthaft über deutsche Politik zu berichten, war Helmut Schmidt Kanzler.

Hanns Martin Schleyer war gerade entführt worden, die Rote Armee Fraktion war auf dem Kriegspfad, Nato-Doppelbeschluss und Berufsverbote lösten eine grimmige Debatte aus und die Beziehungen mit dem großen amerikanischen Verbündeten waren steinig. Schmidt, der furchtlose Kapitän, hatte das Ruder fest im Griff und stellte sich den Stürmen frontal. Krisenmanagement war das Gebot der Stunde. Die Atmosphäre in Bonn war zugleich angespannt und intensiv, aber es schien, als gebe es keinen anderen Weg, das Land zu regieren.

Und Kohl? Kein Fettnäpfchen auslassend, provinziell, dröge, ein schwacher Redner, dem es an Vision, Charisma und selbst einer halbwegs anständigen Beziehung zu den Medien mangelte. Zielscheibe des Spotts, oft und vielen in seiner Partei peinlich, sowohl als Oppositionsführer wie anfangs als Kanzler. Wie hatte ein Mann wie er es dorthin geschafft, wo er war? Fragte ich mich.
 
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Zum Tod von Helmut Kohl
Themenseite (Berliner Morgenpost)
17. Juni 2017


Helmut Kohl galt als Vater der Einheit und der "ewige Kanzler".

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Der Biedermann, der zum Kanzler der Einheit wurde
Dieter Schröder (Berliner Zeitung)
16. Juni 2017

Berlin -

Für den gerade erst ernannten Baustaatssekretär der Linken, Andrej Holm, wird es eng. Sein überraschendes  Geständnis vom Mittwoch, bei seinem Lebenslauf für eine Anstellung an der Berliner Humboldt-Universität (HU) falsche Angaben zu seiner Stasi-Zeit gemacht zu haben, sorgt für Irritationen in der rot-rot-grünen Koalition, insbesondere in der SPD. „Es gibt Aufruhr in der Partei“, sagte ein gut vernetzter Sozialdemokrat der Berliner Zeitung. „Viele finden: Der Mann ist nicht mehr zu halten.“ Auch renommierte DDR-Historiker wie Ilko-Saschea Kowalczuk und  Jens Gieseke werfen Holm vor, die Unwahrheit gesagt zu haben.

Der 46-jährige Soziologe und Stadtforscher Holm hatte der HU verschwiegen, dass er von September 1989 bis Januar 1990 hauptamtlicher Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit war. Stattdessen hatte er in einem Fragebogen nur seine militärische Grundausbildung beim Stasi-Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ angegeben. Ihm sei jetzt erst durch Einblick in seine Kaderakte klar geworden, dass er hauptamtlich als Offiziersschüler beim Ministerium für Staatssicherheit (MfS) beschäftigt gewesen sei, erklärte Holm. Seinen Lebenslauf habe er korrigiert nachgereicht. Die HU prüft derzeit rechtliche Konsequenzen. Auch der Senat hat, wie bei jedem neuen Staatssekretär, eine Regelanfrage bei der Stasi-Unterlagen-Behörde gestartet.

– Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/25302198 ©2016
Alexander Van der Bellen konnte den Vorsprung auf Norbert Hofer bei höherer Wahlbeteiligung ausbauen, er steht als Bundespräsident fest. Die FPÖ bekräftigt, auf eine Anfechtung zu verzichten - derstandard.at/2000048771312/Van-der-Bellens-Wahlsieg-fiel-deutlicher-aus-als-erwartetAlexander Van der Bellen konnte den Vorsprung auf Norbert Hofer bei höherer Wahlbeteiligung ausbauen, er steht als Bundespräsident fest. Die FPÖ bekräftigt, auf eine Anfechtung zu verzichten - derstandard.at/2000048771312/Van-der-Bellens-Wahlsieg-fiel-deutlicher-aus-als-erwarte
Es ist kurios, dass eine Buchpreisrunde mit einer fußballmetaphernhaltigen Verleihung endet. Aber erst die wichtigen Dinge. Bodo Kirchhoff hat am Montagabend im Kaisersaal des Frankfurter Römers den mit 25.000 Euro dotierten Deutschen Buchpreis zugesprochen bekommen. – Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/24932162 ©2016

Es ist kurios, dass eine Buchpreisrunde mit einer fußballmetaphernhaltigen Verleihung endet. Aber erst die wichtigen Dinge. Bodo Kirchhoff hat am Montagabend im Kaisersaal des Frankfurter Römers den mit 25.000 Euro dotierten Deutschen Buchpreis zugesprochen bekommen.

Der Deutsche Buchpreis zeichnet den „Besten Roman“ eines Jahrgangs aus, „Widerfahrnis“ ist eine Novelle, aber Kirchhoff mendelte sich beim fortschreitenden großen Lesen zunehmend als Favorit unter den letzten sechs der Nominierten heraus – der vielleicht noch am häufigsten genannte Mitfavorit Thomas Melle hat äußerst gezielt gar keine Fiktion geschrieben, so viel dazu.

– Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/24932162 ©2016
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Zum Tod von Helmut Kohl: Reaktionen aus der Kultur
Kristina Reymann-Schneider (Deutsche Welle)
17. Juni 2017


Politiker aus aller Welt würdigen Helmut Kohl, der für die Freiheit und für ein geeintes Europa kämpfte. Auch einige Kulturschaffende melden sich zu Wort - oft mit gemischten Gefühlen.
 
Während seiner 16-jährigen Kanzlerschaft ist Helmut Kohl aus dem Kulturbetrieb nicht nur Liebe entgegengeschlagen. Komiker und Karikaturisten hatten ihre wahre Freude an dem massigen Zwei-Meter-Mann. Sie nannten ihn "Birne", stilisierten ihn als bräsigen Saumagen-Fan, der Politik in Strickjacke machte. "Ich glaube nicht, dass ihn das gefreut hat", sagt Christoph Stölzl, der Präsident Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar, dem DW-Kulturmagazin Kultur.21. "Aber er hat gesagt, das muss man aushalten, wenn man seinen Hut in der demokratischen Arena in den Ring wirft." Da ginge es eben nicht zimperlich zu.

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Trauerspiel Staatsakt
Analyse von Stefan Braun (SZ)
20. Juni 2017


Helmut Kohl hat einen deutsch-europäischen Trauerakt verdient. Dass darüber jetzt ein Konflikt schwelt, ist seiner Geschichte nicht würdig.

Helmut Kohl war streitbar. Während seiner 16 Jahre Kanzlerschaft und auch danach. Er hat gegen schärfste Kritik den Nato-Doppelbeschluss durchgesetzt; er hat gegen die Rechtsaußen in der eigenen Partei an der Ostpolitik seiner Vorgänger festgehalten; er hat vehement mit Franz Josef Strauß gestritten und mit Verve für die Einheit und den Euro gerungen. Immer gab es Freunde und Gegner, immer Kontroversen. Für Kohl war das Teil des politischen Lebens. Daran änderte auch der CDU-Spendenskandal wenig, bei dem er trotz schärfster Kritik die Namen der Geldgeber für sich behielt.

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