16. Juni 2017 - Eröffnung der ersten liberalen Moschee Deutschlands in Berlin

Seyran Ates eröffnete in Berlin die erste liberale Moschee Deutschlands
Stefan Dege (DW)
16. Juni 2017


Als Sechsjährige kam sie nach Deutschland. Inzwischen ist Seyran Ates Anwältin, Autorin und Frauenrechtlerin. In Berlin eröffnete sie eine liberale Moschee. Warum gerade jetzt, in Zeiten des Terrors?

Die "Ibn-Ruschd-Goethe-Moschee" hat ihre Pforten am Freitag (16.06.) im dritten Stock der evangelischen Sankt-Johannes-Kirche in Berlin-Moabit geöffnet. Namensgeber sind der arabische Islamgelehrte, Arzt und Philosoph, Ibn Ruschd, auch bekannt als Averroes (1126-1198), und der deutsche Universalgelehrte Johann Wolfgang von Goethe. Frauen und Männer sollen hier gemeinsam beten und predigen; der Koran werde "historisch-kritisch" ausgelegt. Mit einer Ausnahme stehe die Moschee allen offen, verspricht Ates im Interview mit Spiegel-Online: "Mit Nikab oder Burka wird niemand in unsere Moschee kommen!" Die Vollverschleierung habe schließlich nichts mit Religion zu tun, sondern sei ein politisches Statement.

Mit politischen Statements geizt auch Seyran Ates nicht. Pünktlich zur Moscheeeröffnung legte sie ihr neuestes Buch vor: "Selam, Frau Imamin", so der Titel. Darin empört sich die gläubige Muslimin über fundamentalistische Tendenzen im Islam. In Deutschland herrsche der türkische Staatsislam, kritisiert sie. Das Gros der Imame habe ein gestörtes Verhältnis zur Religionsfreiheit, zur Gleichberechtigung und zum Recht auf Homosexualität. Sie predigten einen Islam von vorgestern - mit der Folge, dass liberale Muslime in Deutschland heimatlos geworden seien.

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Ein Gebetshaus namens Goethe

Matthias Drobinski (SZ)
16. Juni 2017


Die Berliner Anwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ateş eröffnet an diesem Freitag eine liberale Moschee in Berlin. Ein Ort, an dem Frauen und Männer gemeinsam beten und es auch egal ist, ob jemand Sunnit, Schiit oder Alevit ist.

Es ist Ramadan, und Seyran Ateş fastet. Wasser zu trinken erlaubt sie sich in diesen Tagen, da ein Interview ins nächste übergeht, sonst ist sie konsequent. Fasten! Sie lacht. Seit sie mit 18 Jahren von zu Hause weggelaufen ist, hat sie nicht mehr gefastet; die Regeln der Religion gehörten zu der Welt, die sie hinter sich lassen wollte. Seit drei Jahren nun isst sie im islamischen Fastenmonat nichts mehr, vom ersten Morgengrauen bis zum Sonnenuntergang. Es geht ihr großartig dabei - der bewusste Verzicht am Tag, das Fest am Abend; arbeiten kann sie ohnehin am besten nachts. Es gibt aber immer noch Momente, an denen sie ungläubig staunt über sich selbst.

Seyran Ateş, die unerschrockene Anwältin und Frauenrechtlerin, die scharfe Kritikerin des männerdominierten Islams im Allgemeinen und der deutschen Islamverbände im Besonderen, ist öffentlich religiös geworden. Mehr noch. An diesem Freitag wird sie zur Gebetszeit vorn vor den Gläubigen stehen und rufen: Gott ist der Größte! Ich bezeuge, dass Mohammed der Gesandte Gottes ist! Sie wird sich auf den Boden werfen vor dem Höchsten, die Gemeinde mit ihr.
 
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Liberale Moschee in Berlin: "Den Islam vor Fanatikern retten"

Evelyn Peternel / Karl Oberascher (Kurier.at)
15. Juni 2017


Deutschlands erste Imamin eröffnet in Berlin eine liberale Moschee – in einer Kirche. In Österreich ist ein ähnliches Projekt geplant. Initiator Ednan Aslan ist jedoch skeptisch, ob das Vorhaben in Berlin funktioniert.

Eine Moschee in einer Kirche? Und dann noch eine, die nach Goethe benannt ist?

Vor der Johanniskirche im Berlin-Moabit stehen einige Menschen, die sich das fragen; sie schauen ein wenig ungläubig, sehen die Anschlagstafel durch. Zu finden ist hier noch nichts: Wäre da nicht Seyran Ateş, die telefonierend durch den Garten streift, man würde nicht ahnen, dass in einem Nebengebäude der evangelischen Backstein-Kirche die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee ist – das erste islamische Gotteshaus des Landes, das von einer Frau geführt wird.

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"Unsere Religion nicht den Rückständigen überlassen"
Interview mit Seyran Ates
Anna Reimann (Spiegel Online)
12. Juni 2017


Mit dem Islam gegen den Islamismus: Seyran Ates eröffnet in Berlin eine liberale Moschee. Im Interview erklärt die Berliner Anwältin, wie sie mit Toleranz, Aufklärung und Demonstrationen gegen Radikale wirken will.
 
Sollten Muslime in größerer Zahl gegen den Terror, den Radikale im Namen ihrer Religion verüben, demonstrieren? Warum? Was haben die Anschläge mit dem Islam zu tun? Und wie können liberale Muslime ihre Stimme sonst erheben, sich besser organisieren?

Nach den jüngsten Anschlägen von Manchester und London hat die Debatte über die Reaktion auf den Terror neue Fahrt aufgenommen.
Die Anwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ates bereitet seit Monaten ein Projekt vor, das moderne Muslime stärken soll. In dieser Woche wird Ates in Berlin eine liberale Moschee eröffnen. Es sei "letztlich verantwortungslos", als fortschrittlicher Muslim auf die konservativen Verbände zu schimpfen, statt selbst aktiv zu werden, sagt Ates.

SPIEGEL ONLINE: Frau Ates, Sie sind bekannt als scharfe Kritikerin konservativer Islamverbände, prangern Frauen- und Mädchenunterdrückung in muslimischen Communitys an. Jetzt gründen Sie eine Moschee und lassen sich selbst zur Imamin ausbilden. Wie passt das zusammen?

Ates: Muslimin zu sein und gleichzeitig Frauenrechtlerin, ist für mich kein Widerspruch. Ich bin schon immer gläubig gewesen, habe das aber lange als Privatangelegenheit gesehen und mich deshalb dagegen gewehrt, meinen Glauben nach außen zu kehren und mich mit anderen, die auch einen modernen Islam leben wollen, zu organisieren. Ich musste aber einsehen, dass diese Einstellung nicht richtig ist.
 

Berlin -

Für den gerade erst ernannten Baustaatssekretär der Linken, Andrej Holm, wird es eng. Sein überraschendes  Geständnis vom Mittwoch, bei seinem Lebenslauf für eine Anstellung an der Berliner Humboldt-Universität (HU) falsche Angaben zu seiner Stasi-Zeit gemacht zu haben, sorgt für Irritationen in der rot-rot-grünen Koalition, insbesondere in der SPD. „Es gibt Aufruhr in der Partei“, sagte ein gut vernetzter Sozialdemokrat der Berliner Zeitung. „Viele finden: Der Mann ist nicht mehr zu halten.“ Auch renommierte DDR-Historiker wie Ilko-Saschea Kowalczuk und  Jens Gieseke werfen Holm vor, die Unwahrheit gesagt zu haben.

Der 46-jährige Soziologe und Stadtforscher Holm hatte der HU verschwiegen, dass er von September 1989 bis Januar 1990 hauptamtlicher Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit war. Stattdessen hatte er in einem Fragebogen nur seine militärische Grundausbildung beim Stasi-Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ angegeben. Ihm sei jetzt erst durch Einblick in seine Kaderakte klar geworden, dass er hauptamtlich als Offiziersschüler beim Ministerium für Staatssicherheit (MfS) beschäftigt gewesen sei, erklärte Holm. Seinen Lebenslauf habe er korrigiert nachgereicht. Die HU prüft derzeit rechtliche Konsequenzen. Auch der Senat hat, wie bei jedem neuen Staatssekretär, eine Regelanfrage bei der Stasi-Unterlagen-Behörde gestartet.

– Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/25302198 ©2016
Alexander Van der Bellen konnte den Vorsprung auf Norbert Hofer bei höherer Wahlbeteiligung ausbauen, er steht als Bundespräsident fest. Die FPÖ bekräftigt, auf eine Anfechtung zu verzichten - derstandard.at/2000048771312/Van-der-Bellens-Wahlsieg-fiel-deutlicher-aus-als-erwartetAlexander Van der Bellen konnte den Vorsprung auf Norbert Hofer bei höherer Wahlbeteiligung ausbauen, er steht als Bundespräsident fest. Die FPÖ bekräftigt, auf eine Anfechtung zu verzichten - derstandard.at/2000048771312/Van-der-Bellens-Wahlsieg-fiel-deutlicher-aus-als-erwarte
Es ist kurios, dass eine Buchpreisrunde mit einer fußballmetaphernhaltigen Verleihung endet. Aber erst die wichtigen Dinge. Bodo Kirchhoff hat am Montagabend im Kaisersaal des Frankfurter Römers den mit 25.000 Euro dotierten Deutschen Buchpreis zugesprochen bekommen. – Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/24932162 ©2016

Es ist kurios, dass eine Buchpreisrunde mit einer fußballmetaphernhaltigen Verleihung endet. Aber erst die wichtigen Dinge. Bodo Kirchhoff hat am Montagabend im Kaisersaal des Frankfurter Römers den mit 25.000 Euro dotierten Deutschen Buchpreis zugesprochen bekommen.

Der Deutsche Buchpreis zeichnet den „Besten Roman“ eines Jahrgangs aus, „Widerfahrnis“ ist eine Novelle, aber Kirchhoff mendelte sich beim fortschreitenden großen Lesen zunehmend als Favorit unter den letzten sechs der Nominierten heraus – der vielleicht noch am häufigsten genannte Mitfavorit Thomas Melle hat äußerst gezielt gar keine Fiktion geschrieben, so viel dazu.

– Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/24932162 ©2016
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Gründet mit mir eine liberale Moschee!
ein Gastbeitrag von Seyran Ates (Zeit Online)
02. Juni 2016


Moderne, freiheitsliebende Muslime sind in Europa heimatlos, sagt Seyran Ateş. Die deutsch-türkische Juristin wünscht sich ein reformiertes Gotteshaus – in Berlin.

Mein Vater gehörte zu den vielen Muslimen, die irgendwann in Berlin in keine Moschee mehr gingen. Er kam aus einem Dorf in Zentralanatolien, aber den altmodischen Islam, den die Imame in Deutschland verkündeten, empfand er nicht als Heimat. Die Grabenkämpfe zwischen den Moscheen und auch die politischen Predigten, welche Partei man wählen sollte, schreckten ihn ab.

Mein Vater hat den letzten Wahlkampf deutscher Moscheen für die AKP und für Erdoğan im Jahr 2015 nicht mehr erlebt. Ein Jahr zuvor beerdigten wir ihn in der Türkei, wo die Religionspolitik autoritär und die Theologie rigide geworden ist. Zugleich wünschen sich immer mehr Musliminnen und Muslime einen friedlichen Islam, der den Dialog mit anderen Religionen pflegt. Doch dieser Islam hat in Europa noch keinen Ort. Es gibt nur die etablierten konservativen Gemeinden, die Kritik und Zweifel kaum zulassen. Was fehlt, ist eine liberale Moschee. Dort wäre der Prophet Mohammed kritisierbar, und wir könnten die Reform unserer Religion diskutieren – über sämtliche islamischen Rechtsschulen hinweg. Warum gibt es diese Moschee nicht?