Interaktion kommen. Er ist von Geburt an auf kulturelle bzw. gesellschaftliche Hilfe angewiesen, wenn es um die Nahrungsaufnahme geht. Diese Hilfestellung ist nicht unproblematisch: Der Mensch ist fundamentalen, formenden Einflüssen ausgesetzt, die seine Ernährungsgewohnheiten und -verhaltensweisen determinieren. Denn er befriedigt sein Bedürfnis nach Nahrung ausschließlich mit kulturellen Methoden und nach gesellschaftlichen Regeln: „Es sind die Normen und Konventionen einer Gesellschaft, die bestimmen was als Nahrungsmittel angesehen, was und wie es bei welchem Anlaß (in welcher Verzehr-Situation) gegessen wird.“ (Tolksdorf, 2001, 239). Weiterhin kann man eine Unterwerfung unter kulturelle Ethiken und Ästhetiken (so zum Beispiel Tafelsitten) feststellen (Bäumler, 1994, 15). Denn die Internalisierung der Kultur des Essens und Trinkens ist national, regional, religiös, klassen- bzw. schichtspezifisch geprägt und dem Wandel der Zeit unterworfen. Will man diese Beeinflussung als beengendes Moment sehen, gibt sie doch Sicherheit. Mit der Nahrungsaufnahme bewegt sich der Mensch in einem Operationsgefüge, das Orientierung und Kommunikation zwischen Individuen und Kollektiven sicherstellt. Somit wird das Essen und Trinken auch zur Bewältigung einer sozialen Bedürfnis-Situation (Tolsdorf, 2001, 239). Spricht man vom Essen und Trinken in einem kulturellen Rahmen, vom kulturalen System, so sind neben oben genannten Einflüssen besonders Normierungsprozesse von Interesse. Folgendes Zitat soll die besondere Bedeutung der im System enthaltenen regelnden und kontrollierenden Elemente hervorheben:
zeitgleich der neue Trend des Schnellimbiss', der als Zeichen der „Verweigerung bürgerlicher Verhaltensweisen“ (Wagner, 1995, 45) nicht nur im Lebensrhythmus der Studenten schnell festen Fuß fasste. Schon bald wurden Zwischenmahlzeiten, später Snacks genannt, zur Regel, die ihrerseits an Imbissbuden mit Würstchen und den frisch entdeckten und schnell heiß begehrten Pommes Frites zu sich genommen wurden. Mit zunehmender Beliebtheit dieser neuen Form des schnellen Essens verloren die häuslichen Mahlzeiten nach und nach an Gewichtung. Auch wenn sich diese Bewegung und der damit verbundene Bruch mit dem traditionellen Essverhalten durch einen prinzipiellen Wunsch der Distanzierung von bürgerlichen, „spießigen“ Traditionen erklären lässt, der die 60er Jahre kennzeichnet, kam es auch in den Folgejahren zu einer allgemeinen Lockerung und Liberalisierung des Erziehungsumfeldes (Bartsch, 2010, 161).
Altersstufen, sozialem Status und Region). Zwischen den Altersstufen der 19-34jährigen und der Generation der 65-80jährigen liegen starke Unterschiede in der Nahrungsmittelwahl: Während der Konsum an Kartoffeln und Suppen/Eintöpfen der letzteren um ein Drittel höher ist, übertreffen die jüngeren Altersstufen ihre Großeltern im Konsum von Teigwaren (besonders Pizza und Nudelgerichten), Knabberwaren und Süßigkeiten (Abschlussbericht 2008). Somit ist es nicht verwunderlich, dass manche Umfragen ergeben, dass die Hausmannskost zu den Leibspeisen der Deutschen zählt, (Welt Online, „Hausmannskost ist das Lieblingsessen der Deutschen“ 12.05.2006) und bei anderen wiederum Spaghetti, Pizza und Schnitzel auf den obersten Plätzen stehen (Financial Times Deutschland, „Die Lieblingsessen der Deutschen“ 16.10.2007). Verallgemeinern lässt sich der Geschmack der Deutschen also nicht, doch aber sehr wohl das, was Ausländer unter der „deutschen Küche“ verstehen.
Snackverhalten nehme stetig zu und der „Out-of-Home-Verzehr“ sei der Zukunftstrend. Rund 90 Prozent der Nichtberufstätigen würden Frühstück, Mittagessen und Abendessen noch zu Hause zu sich nehmen, doch bei den Berufstätigen hätte lediglich das Abendessen noch einen fest einkalkulierten Platz: Nur knapp jeder zweite Berufstätige nehme sich Zeit für das Frühstück, für das Mittagessen lediglich 35 Prozent, doch für das Abendessen hingegen rund 67 Prozent (Nestlé-Studie 2011, 13).
trinken, zu viele Süßigkeiten zu essen und sich insgesamt zu fetthaltig zu ernähren (Nestlé-Studie 2009, 6). Die Verzehrs-Studie des Bundesforschungsinstituts für Ernährung und Lebensmittel führt an, dass die Mehrheit der Deutschen zu wenig Obst äße. Vor allem die Altersgruppe der zwischen 19-24jährigen unterschreiten die empfohlene Menge (Abschlussbericht 2008, 36). Zudem gaben 32 Prozent der Deutschen in einer GfK-Umfrage (Nürnberg 2007) im Auftrag der „Apotheken Umschau“ zu, auf Fast Food wie Hamburger, Döner, Brat- oder Currywurst und Pommes Frites auf ihrem Speiseplan nicht verzichten zu wollen.| Pour citer cet article : Karla Vesenmayer (lectrice ENS Lyon). 2012. "Würstchen, Sauerkraut und Kartoffelsalat? Das Essverhalten der Deutschen ". |