Accès direct au contenu

 

Accueil  >  Allemand > Bibliothèque > Romans

Recherche
Retour rapide vers l'accueil

Martin WALSER: "Ein liebender Mann"

Publié le : 24 juin 2008
 Goethes Leidenschaft für die neunzehnjährige Ulrike von Levetzow 

Martin Walser: Ein liebender Mann, Rowohlt Verlag, 2008, 1. Auflage, 288 Seiten. ISBN 978-3498073633


Ein liebender Mann ist das bislang letzte Buch des 1927 geborenen Schriftstellers Martin Walser, der dem internationalen Publikum durch zahlreiche Romane und Erzählungen, darunter vor allem Ehen in Philippsburg (1957) und Ein fliehendes Pferd (1978), bekannt ist. Für sein literarisches Werk wurde Walser mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet, insbesondere dem Georg-Büchner-Preis 1981 und dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels 1988.

Keinen geringeren als Goethe wählt Walser zum Protagonisten seines jüngsten Romans. Wir befinden uns im malerischen Kurort Marienbad und schreiben das Jahr 1823. Der weltberühmte dreiundsiebzigjährige Dichter hat sich bis über beide Ohren in die neunzehnjährige Ulrike von Levetzow verliebt und versucht, sich einen Weg in ihr Herz zu bahnen. Im Laufe der täglichen Spaziergänge kommen sich der in Ehren ergraute und doch von jugendlicher Leidenschaft erfüllte Goethe und die reizende Ulrike näher. Immer größer wird das Einvernehmen zwischen den beiden, doch nichts kann darüber hinwegtäuschen, dass über ein halbes Jahrhundert sie voneinander trennt. Obwohl Goethe sich der Aussichtslosigkeit seiner Liebe schmerzhaft bewusst ist, lässt er in aller Form bei Ulrikes Mutter um die Hand ihrer Tochter anhalten - und wird abgewiesen. Zu allem Überfluss muss er mit ansehen, wie ein reicher Schmuckhändler Ulrike den Hof macht.

Der von Liebeskummer geplagte Dichter sucht sein Heil im Schreiben. Noch in der Kutsche, die ihn zurück nach Weimar bringt, setzt Goethe seinem entsagungsvollen Erlebnis ein literarisches Denkmal: die Marienbader Elegie. Auch von einem Briefwechsel mit Ulrike, der den letzten Teil des Romans bildet, erhofft sich Goethe Erleichterung. Allmählich jedoch wächst im Leidensmüden der Wille, gegen seine Liebe anzukämpfen und einen Schlussstrich unter seine Schwermütigkeit zu ziehen. Ganz zum Schluss gelingt es ihm, sich von Ulrike loszusagen und das letzte, angeblich von Moses überhörte Gebot zu befolgen: Du sollst nicht lieben.

Ein liebender Mann - dieser Titel ist Programm. Walser führt uns vor Augen, dass sogar der Dichterfürst Goethe zum gewöhnlichen Sterblichen wird, wenn es um die Liebe geht. Voller Sorge fragt er sich, wie er auf Ulrike den besten Eindruck wird machen können, voller Erregung wartet er auf ein Zeichen von Ulrikes Zuneigung, und voller Angst und Eifersucht blickt er auf seinen potentiellen Rivalen. Der Leser ist angesichts von Goethes Leidenschaft einerseits ergriffen und betroffen, andererseits belächelt er wohlwollend seine kleinen Eitelkeiten, ohne dass der Dichter jedoch der Lächerlichkeit preisgegeben würde.

Doch wenn man Goethe zur Hauptfigur macht, sollte man bedenken, dass es sich eben nicht um irgendwen handelt - und dass Vorsicht geboten ist, wenn man den Dichter etwas denken oder sagen lässt. Gedichte von Goethe werden im Roman beispielsweise als "Eilpost der Seele" bezeichnet - eine triviale Formulierung, zu der der wirkliche Goethe sich wohl nie hätte hinreißen lassen. Auch schmalzige Sentenzen wie "Es gibt das Paradies: Zwei füreinander. Es gibt die Hölle: Einer fehlt." werden dem Klassiker untergeschoben. Dass Walser Goethes Elegie dem Roman als Ganzes einfügt, lässt den Unterschied zwischen dem goetheschen "Originalton" und dem Stil, den Walser Goethe verleiht, nur noch stärker hervortreten.

Alles in allem fällt in diesem vor allem im ersten Teil mitnehmenden und streckenweise recht komischen Roman immer mehr die Dissonanz zwischen der Figur Goethe und den ihm von Walser in den Mund gelegten Äußerungen auf. 


Ferdinand Schlie
élève ENS LSH

Stand: Juni 2008

Rezension im Magazin des Verlags mit Leseprobe vom Anfang des Romans

Linksammlung der FU Berlin

Biografie mit zahlreichen Hördokumente und Interviews von Walser: Radio Bremen

Rezension am 2.03.2008 (Moderatorin im Gespräch mit Klaus Siblewski) : Podcast SWR2

Weitere Gespräche mit Walser : SWR2

 
 
mise à jour le 7 octobre 2008
Créé le 24 juin 2008
ISSN 2107-7029
DGESCO Clé des Langues