Die Gründung der Brücke in Dresden im Jahre 1905, im selben Jahr, in dem in Paris die erste Ausstellung der Fauvisten stattfand, markiert den Beginn des deutschen Expressionismus. Die Gründer der Brücke waren eine kleine Gruppe von jungen Architekturstudenten, denen sich bald weitere Künstler anschlossen. Die meisten Mitglieder der Brücke waren künstlerische Autodidakten, die über keine akademische Ausbildung verfügten, was für ihre Kunst von entscheidender Bedeutung ist: Sie war nie akademischen Zwängen unterworfen gewesen und konnte sich daher frei entwickeln, unter Einbeziehung selbst gewählter, nicht vorgegebener Vorbilder.
Der Name Die Brücke geht vermutlich auf Friedrich Nietzsches Schrift Also sprach Zarathustra zurück, der unter anderem in der 4. Vorrede das Bild der Brücke verwendet:
"Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Tier und Übermensch - ein Seil über einem Abgrunde.
Ein gefährliches Hinüber, ein gefährliches Auf-dem-Wege, ein gefährliches Zurückbleiben, ein gefährliches Schaudern und Stehenbleiben.
Was groß ist am Menschen, das ist, dass er eine Brücke und kein Zweck ist: was geliebt werden kann am Menschen, das ist, dass er ein Ü b e r g a n g und ein U n t e r g a n g ist.
Ich liebe die, die nicht zu leben wissen, es sei denn als Untergehende, denn es sind die Hinübergehenden.
Ich liebe die großen Verachtenden, weil es die großen Verehrenden sind und Pfeile der Sehnsucht nach dem anderen Ufer."
(NIETZSCHE 1968, S. 12-13)
In der Wahl dieses Namens zeigt sich schon ein expressionistisches Grundanliegen: Der Künstler sieht sich in einer Mittlerrolle zwischen Kunst und Gesellschaft, die er durch eben diese Kunst verändern will. Das Programm der Brücke war kurz und allgemein gehalten. Der 1906 veröffentlichte Programmentwurf, den Kirchner verfasst und in Holz geschnitten hatte, bestand lediglich aus drei Sätzen:
"Mit dem Glauben an Entwicklung, an eine neue Generation der Schaffenden wie der Genießenden rufen wir alle Jugend zusammen, und als Jugend, die die Zukunft trägt, wollen wir uns Arm- und Lebensfreiheit verschaffen gegenüber den wohlangesessenen, älteren Kräften. Jeder gehört zu uns, der unmittelbar und unverfälscht wiedergibt, was ihn zum Schaffen drängt."
Dieses Programm enthält keinerlei ästhetische Maxime, es macht vor allem den revolutionären Impetus der jungen Künstler deutlich und ruft sie zum Zusammenschluss auf. In der 1906 von Schmidt-Rottluff verfassten Einladung an Emil Nolde, der Brücke beizutreten, heißt es sogar:
"Eine von den Bestrebungen von der Brücke ist, alle revolutionären und gärenden Elemente an sich zu ziehen - das besagt der Name Brücke."
(zitiert nach Wolf-Dieter DUBE: Die Künstlergruppe Brücke. In: VOGT 1981, S. 97)
Die Brücke-Maler sahen ihre Künstlergemeinschaft als einen der kapitalistischen Gesellschaft entgegengesetzten Lebensentwurf; Kunst und Leben sollten in harmonischer Einheit stehen. Sie lebten, arbeiteten und reisten zusammen und bildeten dabei einen gewissen malerischen Gruppenstil aus. Dies änderte sich mit dem sukzessiven Umzug vieler Mitglieder nach Berlin, die einzelnen Künstlerpersönlichkeiten differenzierten sich zunehmend voneinander, was schließlich zur Auflösung der Brücke aufgrund von Meinungsverschiedenheiten im Jahre 1913 führte.
Der angestrebten Mittlerrolle entsprechend, der sie in der Wahl ihres Namens Ausdruck verliehen, wendet sich ihr Programm nicht nur an die Schaffenden, die Künstler, sondern eben auch explizit an die Genießenden, das Publikum. Die Brücke-Künstler ließen sich bewusst in einem Arbeiterviertel in Dresden nieder und schufen die Möglichkeit einer passiven Mitgliedschaft für ihre Gruppe: Auch Nichtkünstler konnten Mitglied werden, sie bezahlten einen Mitgliedsbeitrag und erhielten dafür Graphiken. Das angestrebte Ideal war ein ständiger Austausch, eine Interaktion zwischen den Künstlern untereinander ebenso wie zwischen Kunst und Gesellschaft.