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Erich KÄSTNER: "Als ich ein kleiner Junge war"

Publié le : 2 juillet 2009
 Die Autobiographie Erich Kästners für Kinder und "Nichtkinder" 

Erich Kästner: Als ich ein kleiner Junge war. Cecilie Dressler Verlag, Hamburg, 1993, 30. Auflage (1957), 191 Seiten. ISBN: 3791530100.



Als ich ein kleiner Junge war wurde 1957 von Erich Kästner (1899-1974) geschrieben. Der in Dresden geborene Autor ist vor allem für seine Kinderbücher bekannt, arbeitete aber auch als Lyriker, Dramatiker, Romancier, Journalist und Kritiker. Dieser facettenreiche Schriftsteller wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter der Hans-Christian-Andersen-Preis und der Georg-Büchner-Preis. Viele seiner Kinderbücher, wie die bekannte Erzählung Emil und die Detektive, waren auch große Kinoerfolge.

Als ich ein kleiner Junge war beschränkt sich nicht auf die Zeit, als Kästner ein kleiner Junge war. Aus dem Geschichtsbuch beschwört der Autor seine Vorfahren herauf und erzählt, dass dieses Geschlecht von Bäckern wegen seiner zu kleinen Brötchen in Erinnerung geblieben ist. Seinen Eltern und vor allem seiner Mutter Ida, die er bewunderte, widmet er mehrere heitere und weniger heitere Kapitel. Der Leser lernt den ganzen Kreis der Verwandten kennen, den ein oder anderen Onkel, die ein oder andere Tante, sowie die netten Lehrer, die bei den Kästners zur Untermiete wohnen. Das Einkommen ist gering, die Eltern müssen viel arbeiten. Der Sohn will den sich aufopfernden Eltern gefallen und bemüht sich, der bravste Sohn und der beste Schüler seiner Klasse zu sein. Die lustigen und beschönigenden Anekdoten, die der Schriftsteller sorgfältig ausgewählt hat, können nicht ganz verbergen, dass bei den Kästners das Familienleben manchmal tragisch verlief. Die mangelnde Liebe zwischen den Eltern, ihr Wettstreit um die Liebe des kleinen Erichs und die tiefe Verzweiflung der Mutter werden behutsam aber aufrichtig geschildert.
Kästner vermittelt ein lebendiges Bild von der geliebten, leider verschwundenen Stadt seiner Kindheit. Der kleine Erich sitzt auf der Gartenmauer und schaut als junger Theaterliebhaber dem großstädtischen Leben in Dresden zu, während der ungefähr siebenundfünfzigjährige Erich bescheiden den Herrn Illustrator um eine Reihe Zeichnungen bittet, da sich die Schönheit seiner Heimatstadt mit Worten schwer fassen ließe.

 "Liebe Kinder und Nichtkinder", liest man im Vorwort. Der einfache, äußerst klare Stil entspricht dem eines Kinderbuchs. In Dresden lesen die Kinder Als ich ein kleiner Junge war in der Schule - ob sie das Buch von selbst lesen würden, bleibt fraglich. Kästner versteht es, den vielen Anekdoten ein pädagogisches, moralisierendes Ziel zu geben. Soll man zum Beispiel immer die Wahrheit sagen? Das glaubte die kleine Ida und erzählte dem Vater vom Kaninchenhandel ihrer Brüder; sie wurde von den letzteren verprügelt, weil diese sich verraten fühlten. "Was hätte sie also tun sollen?" fragt Kästner den direkt angesprochenen Leser.
Die erwachsenen Leser können ihrerseits noch tiefere Bedeutungen im Buch entdecken. In bestimmten Sätzen erkennen sie Kästners aktiven Pazifismus oder seinen kritischen Blick auf Politiker und Geschäftsleute. Allein die Erwachsenen fühlen sich von den Überlegungen über das Gedächtnis, die innere Zeitrechnung und das Rätsel der Erinnerung zum Nachdenken angeregt.
Alles, was Kästner mit seinem Federstrich berührt, wird neuer, frischer, verständlicher und umso interessanter. Es gelingt ihm, den alltäglichen Ereignissen neue Farben zu geben. Die Ideen und Begriffe werden oft durch konkrete, ungewöhnliche Vergleiche humorvoll und poetisch veranschaulicht. So könnte man zum Beispiel die Pferde seines Onkels als Hotelgäste betrachten, da sie nicht zur Familie gehören und bei dem Onkel nur ein Paar Tage übernachten. In einem anderen Kapitel zieht Kästner eine originelle Parallele zwischen dem Lehrer und dem Bäcker: Der Lehrer würde frisches Brot für die "wissenshungrigen" Kinder backen. In dieser Autobiographie fehlt schließlich auch das Nachdenken über die Kunst des Schreibens nicht: Den Schriftsteller macht Kästner ungewöhnlich... zum Fleischer, denn das Schreiben habe damit zu tun, "dass man aus dem Leben einen Beruf macht und es zu Gulasch und Rollschinken verarbeitet"!
Allerdings könnte man Kästner den Vorwurf machen, dass er durchweg zu idealisierend bleibt. Die wiederholten Selbstmordversuche seiner Mutter werden zum Beispiel nur in sieben kurzen Abschnitten behandelt, die größtenteils mit mildernden Ausdrücken wie "Es ist schon wieder gut" und "Du bist ihr Schutzengel" enden. Die Autobiographie Kästners hat im Allgemeinen Würze, sie ist gewiss köstlich und pikant, wirkt aber wegen einer strengen Selbstzensur manchmal naiv und wurde von ihrem Autor, der sich beim Schreiben vermutlich auf der Suche nach dem harmonischen Kindheitsideal befand, ein bisschen zu viel gesüßt.


Marianne Schertenleib
élève ENS LSH
Stand: Juni 2009
L'autobiographie de Kästner est en partie consultable sur le site books.google.

Pour télécharger la couverture : cecilie-dressler.de

Toutes les informations sur Erich Kästner (biographie, bibliographie, films tirés de ses oeuvres, illustrateurs...) sur le site de l'éditeur : cecile-dressler.de
 
 
mise à jour le 6 juillet 2009
Créé le 2 juillet 2009
ISSN 2107-7029
DGESCO Clé des Langues