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Deutschland, Einwanderungsland: Zu-, bzw. Einwanderung nach Deutschland seit 1945


Cécile Prat-Erkert

Maître de Conférences en civilisation allemande
Université de Valenciennes/ PRES Lille Nord de France


1. Gewünschte Zuwanderungen von Deutschen und Ausländern 1945-1973
1.1 Heimatvertriebene 1945-1950
1.2 Flüchtlinge/Übersiedler 1949-1961
1.3 Gastarbeiter 1955-1973
2. Einwanderung durch Familiennachzug 1973-1988
3. Rekordzuwanderungen von Aussiedlern und Asylbewerbern 1988-1993
3.1 (Spät-)aussiedler
3.2 Aylbewerber
4. Restriktive Einwanderungspolitik 1993-2000
5. Neue Migrationspolitik seit 2000

Bibliographie

Im Unterricht

    
            Dass Deutschland im Laufe der letzten 60 Jahre zum Einwanderungsland wurde, bestreitet heute niemand mehr. Die deutsche Gesellschaft wird nun als "bunt", "multi-kulti" oder "gemischt" bezeichnet und zählt um die 7,3 Millionen Ausländer. Diese stellen 2009 8,8% der Wohnbevölkerung dar. Die Hauptherkunftsländer dieser Migranten sind die Türkei (25%), Italien (8%) und Polen (6%). Zum Vergleich leben 3,6 Millionen Ausländer in Frankreich, oder 5 Millionen Ausländer und Franzosen ausländischer Herkunft, d.h. 5,6% der Wohnbevölkerung (www.bamf.de; www.ined.fr).
Zu-, bzw. Einwanderung nach Deutschland betrifft aber nicht nur Ausländer, sondern, und das mag für französische Leser irritierend wirken, auch Deutsche. Millionen Deutsche sind in den letzten Jahrzehnten von Mittel- und Osteuropa, wo sie zum Teil seit Jahrhunderten als Minderheiten lebten, nach Deutschland rückgewandert. Also haben Deutsche wie ausländische Migranten zur Gestaltung der modernen deutschen Gesellschaft beigetragen.
Eine kurze Begriffserläuterung zu den Wörtern "Zuwanderung", "Einwanderung", "Migration" und ihrer Verwendung. "Zuwanderung" und "Einwanderung" werden beide mit dem Wort "immigration" ins Französische übersetzt. Es besteht aber im Deutschen eine leichte Nuance: "Zuwanderung" bedeutet "immigration" eher im dynamischen Sinne, als Zuzug, als Strom ("flux", "arrivées"). "Einwanderung" bedeutet "immigration" eher als Niederlassung ("installation"). Zuwanderung mündet oft, aber nicht automatisch in Einwanderung. In den letzten Jahren werden im politischen und journalistischen Gebrauch Zu- und Einwanderung zunehmend durch den Begriff "Migration" ersetzt, allerdings nicht mit dem ursprünglichen mehrdeutigen Sinn (Ein- und Auswanderung), sondern nur im Sinne von Zu-, bzw. Einwanderung.
In diesem Artikel wird der Gebrauch dieser Begriffe dem der verschiedenen Epochen der Migrationsgeschichte Deutschlands angepasst. "Deutschland" bedeutet hier Westdeutschland vor 1989/90 und das wiedervereinigte Deutschland nach 1990. Die Deutsche Demokratische Republik war vom Einwanderungsphänomen kaum betroffen: nur ein paar Tausende Flüchtlinge (aus Griechenland, Spanien und Chile hauptsächlich) und später Arbeiter (aus kommunistischen Brüderstaaten wie Cuba, Mozambik oder Vietnam) kamen innerhalb von 40 Jahren in die DDR. Der Artikel ist chronologisch aufgebaut und deckt den Zeitraum von 1945 bis heute ab. Beginnen wir mit der unmittelbaren Nachkriegszeit an.

1. Gewünschte Zuwanderungen von Deutschen und Ausländern 1945-1973

1.1. (Heimat-)vertriebene 1945-1950

    Die erste Zuwanderungswelle nach Deutschland fand im unmittelbaren Anschluss an das Ende des Zweiten Weltkriegs statt. Nicht nur Deutschland, sondern ganz Mittel- und Osteuropa sowie Russland waren von solchen Bewegungen betroffen. Es handelte sich allerdings nicht um freiwillige, sondern um erzwungene Migrationen (Alice Volkwein). Mit "Vertriebenen" sind Deutsche gemeint, die z.B. in Ungarn, Polen oder Rumänien, mit einem Minderheitenstatus seit Jahrhunderten lebten, aber weiterhin die deutsche Staatsangehörigkeit besaßen und meistens unter sich Deutsch sprachen, und, die ab 1944 aus Angst vor Racheakten vor der Roten Armee flohen. In den Jahren nach 1944/45 wurden diese Deutschen von der Sowjetunion zur Abwanderung nach Deutschland, besser gesagt in die vier Besatzungszonen, gezwungen. Diese Vertreibung wurde in großem Umfang bis 1950 getrieben; die Zuströme dauerten noch bis 1960, versiegten dann fast ganz bis in die 80er Jahre. Die Vertriebenen bezeichneten sich selbst eher als "Heimatvertriebene", um auf den schmerzvollen Verlust ihrer Heimat hinzuweisen. Nach 1950 spricht man eher von "Aussiedlern".
    Insgesamt wanderten von 1945 bis 1960 freiwillig oder in der überwiegenden Mehrheit unter Zwang zwischen 13 und 15 Millionen Deutsche in die vier Besatzungszonen und 500 000 nach Österreich. Die größten Bewegungen fanden zwischen 1945 und 1950 statt: Zwischen 11 und 12 Millionen Vertriebene kamen nach Deutschland (Historiker sind sich über die genauen Zahlangaben uneins, wegen Todesfälle auf dem Wanderungsweg, Nichtanmeldung bei der Ankunft, usw.), allein 6,3 Millionen 1945/46 in die drei westlichen Zonen. Von diesen 6 Millionen stammten etwa 3 Millionen aus der Tschechoslowakei, eine Million aus Polen, 800 000 aus Rumänien, 600 000 aus Ungarn und 500 000 aus Jugoslawien (Michel Hubert). Zwischen 1946 und 1950 wanderten noch 1,7 Millionen Vertriebene in die Westzonen, bzw. in die BRD, dann noch 1,9 Millionen zwischen 1950 und 1960. Anfang der 50er Jahre zählte man 8 Millionen Vertriebene in der BRD und 3,6 Millionen in der DDR.
    Dieser Unterschied erklärt sich hauptsächlich durch die Aufnahmepolitik der Vertriebenen, zunächst durch die Alliierten: Im Westen wurden die Vertriebenen im Kontext des entstehenden Kalten Kriegs eher willkommen geheißen, wenn nicht unbedingt von der deutschen Bevölkerung, die sie zum Teil als Belastung empfand, aber von den alliierten Behörden, später von den westdeutschen politisch Verantwortlichen. Sie symbolisierten die Unfreiheit, die in den kommunistischen Staaten herrschte, und wurden als solches unterstützt. In der sowjetischen Besatzungszone, dann in der DDR, war das Thema Tabu. Diese "Rückkehrer" sollten sich möglichst schnell integrieren und über die Bedingungen ihrer Ankunft lieber nicht reden.
Die materielle Aufnahme war genauso unterschiedlich wie die ideologische. Im Westen wurden Unterkünfte gebaut, ein eigenes Ministerium errichtet (das Bundesministerium für Vertriebene und Flüchtlinge), mit Zweigstellen in ganz Westdeutschland. Man organisierte einerseits die räumliche Verteilung der Vertriebenen durch eine Verteilungsregelung, das Bundesnotaufnahmegesetz (1950) und das Bundesvertriebenengesetz (1953) gaben ihnen andererseits Ansprüche auf öffentliche Gelder. Auch wurde 1951 die Lastenausgleichsbank, Bank für Vertriebene und Geschädigte, gegründet, die ihnen Darlehen unter besonders günstigen Bedingungen zur Verfügung stellte, man förderte ebenfalls ihre wirtschaftliche Integration durch Arbeit. Schließlich werden sich die Vertriebenen, die ursprünglich Kosten verursacht haben, als Chance erweisen, indem sie eine kompetente und willkommene Arbeitskraft im Rahmen des Wirtschaftswunders liefern werden. Nichts desgleichen in der DDR, in der keine Maßnahmen zugunsten der Vertriebenen getroffen wurden.
 

1.2. Flüchtlinge/Übersiedler 1949-1961

    Auch hier handelt es sich um Deutsche, die nach Westdeutschland zogen, diesmal meistens freiwillig und von der DDR aus. Zwischen 1945 und 1949 bezeichnet man als "Flüchtlinge" sowohl die Vertriebenen als auch die Übersiedler, d.h. jene Deutsche, die aus der Sowjetischen Besatzungszone, sei es aus politischen, wirtschaftlichen oder persönlichen Gründen in den Westen ziehen. Nach 1949 wird Flüchtling als Synonym für Übersiedler verwendet.
    Zwischen 1945 und 1949 zogen 1,5 Millionen Personen von Ost nach West. Dieser Zustrom nahm dann von der Gründung der DDR 1949 bis zum Bau der Berliner Mauer 1961 ständig zu. Insgesamt 3,8 Millionen Deutsche zogen in diesem Zeitraum in den Westen. Im Durchschnitt waren es 200 000 pro Jahr, es gab aber Schwankungen, die den politischen Spannungen im Ostblock oder in der DDR entsprachen. Die DDR verlor durch diese Bewegungen ein Fünftel ihrer Bevölkerung, was politische, demografische und wirtschaftliche Folgen hatte. In die Gegenrichtung, also die DDR, zogen nur 390 000 Westdeutsche. Durch die Verriegelung der Grenze zur BRD, dann die Errichtung der Berliner Mauer wurde ab 1961 die Abwanderung nach Westen äußerst schwierig und bis 1988 zogen nur noch 600 000 Ostdeutsche legal oder illegal in die BRD (Michel Hubert).
    Die Aufnahmepolitik der Übersiedler im Westen glich der der Vertriebenen. Wenn auch die deutsche Bevölkerung diesen Zustrom am Anfang eher ablehnend betrachtete, wurden die Übersiedler bald zum Symbol der unfreien Verhältnisse im Osten (was das Wort "Flüchtling" ausdrückt) und immer besser aufgenommen. Durch ihre Ankunft erhöhte sich die politische Legitimität der BRD und alle politischen Parteien befürworteten eine großzügige Aufnahme. Sie erhielten die gleiche materielle und wirtschaftliche Unterstützung wie die Vertriebenen, sie konnten sich im Eilverfahren einbürgern lassen, fanden im Wirtschaftswunder schnell Arbeit und wurden ebenso schnell Vollbürger der westdeutschen Gesellschaft.

1.3. Gastarbeiter 1955-1973

    Der wirtschaftliche Aufschwung in der BRD Anfang der 50er Jahre brachte die dritte Zuwanderungswelle der Nachkriegszeit mit sich, nämlich die Zuwanderung zahlreicher "Gastarbeiter". Es handelt sich diesmal um Ausländer, die zwecks der Arbeit nach Westdeutschland kamen. "Gast" bedeutet ja, dass das Individuum nach einiger Zeit in sein Heimatland zurückkehrt, und so wurden am Anfang diese Migrationen von beiden Seiten verstanden: als temporärer Arbeitsaufenthalt. Die BRD brauchte Arbeitskräfte, um die Expansion der Exportindustrie zu stützen, und die Gastarbeiter verdienten so Geld, das sie zur Existenzgründung im Heimatland ebenfalls brauchten.
    Die Ankunft von Gastarbeitern beruhte meistens auf Anwerbeabkommen zwischen der BRD und einem Drittstaat. Das erste Abkommen wurde 1955 mit Italien unterschrieben, es folgten weitere Abkommen mit Spanien und Griechenland 1960, der Türkei 1961, Marokko 1963, Portugal 1964, Tunesien 1965 und Jugoslawien 1968. Es entstanden entsprechende Migrationswellen. Gastarbeiter aus dem Mittelmeerraum waren am zahlreichsten, bis sie von den Türken und Jugoslawen überholt wurden. Die Bundesanstalt für Arbeit errichtete Rekrutierungsstellen in all diesen Ländern, die zusammen mit einer Behörde des Herkunftslands unter den Arbeitswilligen auswählten (Ulrich Herbert). Auch wenn in den Abkommen das Prinzip der Gleichheit zwischen Deutschen und Ausländern (Lohn, Arbeitszeit, Wohnbedingungen, u.a.) festgesetzt wurde, war die Wirklichkeit oft anders.
1950 zählte man 72 000 Gastarbeiter in der BRD; 1960 waren es schon 329 000.  Der Zustrom beschleunigte sich noch: 1973 zählte man 2,6 Millionen Gastarbeiter in Westdeutschland und sie stellten 12% der Erwerbstätigen dar. Die meisten waren zwar alleinstehende junge Männer, der Nachzug von Familienangehörigen war aber in den 60er Jahren als Recht anerkannt worden und hatte eingesetzt: Es gab also 4 Millionen Ausländer in der BRD, die 7% der Wohnbevölkerung ausmachten (1,2 Millionen zehn Jahre zuvor, 2% der Bevölkerung) (Zahlen: Hartmut Wendt).
Anfangs waren diese Gastarbeiter eher eine willkommene Arbeitskraft. Sie sollten eine eventuelle Arbeitskraftknappheit verhindern. Im Jahr 1964 wurde der millionste Gastarbeiter in Köln feierlich empfangen und erhielt von der Bundesregierung ein Moped als Willkommensgeschenk. Gewerkschaften klagten manchmal über unfaire Konkurrenz durch niedrige Löhne, die Kritiken blieben aber beschränkt. Die Gastarbeiter wohnten getrennt von der deutschen Bevölkerung, meistens in kollektiven Unterkünften, die von den Betrieben unweit der Fabrikgelände gebaut wurden. Sie wurden also nur im Arbeitsleben wahrgenommen, zumal sie die geringgeschätzten Arbeitsaufgaben innehatten.
Im Laufe der 60er wurde die Lage gespannter. Einerseits wurde Arbeit knapper, vor allem nach der ersten Rezession der Nachkriegszeit 1966/67, andererseits wurden die Gastarbeiter sichtbarer, eben weil sie mit ihren nachgezogenen Familien in "normale" Wohngebiete zogen, die Kinder in die Schule gingen, usw. Langsam wurde klar, dass ein Teil der Gastarbeiter für längere Zeit in Deutschland bleiben würde und, dass aus Zuwanderung eben Einwanderung wurde. Die BRD weigerte sich jedoch bis Ende der 90er Jahre strikt, sich als Einwanderungsland zu erkennen. Das Aufenthaltsrecht von Ausländern, das am Anfang streng mit einer Arbeitsstelle verbunden war, hatte sich aber im Laufe der Jahre zunehmend davon abgekoppelt und Ausländer hatten immer mehr Rechte errungen, die ihre Lebensbedingungen denen der Einheimischen angleichen sollten.
Nach der Rezession 1966/67 fand zum ersten Mal eine öffentliche Diskussion über das wirtschaftliche Nutzen der Ausländerrekrutierung statt, und deren Aufenthalt wurde zunehmend als problematisch dargestellt. Es überwogen wirtschaftliche, nicht soziale Argumente. Mit dem Ölschock 1973 wurde die Wendung schließlich vollzogen und der Anwerbestopp jedweder ausländischer Arbeitskraft von der BRD (einseitig) erklärt.


2. Einwanderung durch Familiennachzug 1973-1988

      
    Der Anwerbestopp von 1973 ist ein Schlüsselereignis der deutschen Migrations-geschichte der letzten 60 Jahre. Er resultierte aus der Auffassung, Deutschland sei kein Einwanderungsland und die Gastarbeiter seien eine flexible Arbeitskraftreserve, die man zurückschicken konnte, wenn man sie nicht mehr brauchte. Dies widersprach aber der Wirklichkeit einer gewissen Integration jener Ausländer, die das Leben in Deutschland immer mehr schätzten und dort mehr Zukunftschancen für sich und ihre Kinder sahen.
Ab 1973 versuchte die BRD, ihre "Rückkehrpolitik" aufzubauen, d.h. die freiwillige Rückkehr der Gastarbeiter in ihr Heimatland durch finanzielle Hilfen zu fördern. Tatsächlich war der Einwanderungssaldo der BRD zwischen 1974 uns 1977 negativ, viele Migranten nahmen also die Rückkehrförderung wahr, vor allem wenn sie Arbeit und Wohnung verloren hatten, doch hielt diese Bewegung nicht an. Der Anwerbestopp bewirkte sogar das Gegenteil von dem, was sein ursprüngliches Ziel war: Statt die Anwesenheit von Ausländern auf deutschem Territorium zu verringern, nahm deren Zuwanderung noch zu, und zwar hauptsächlich durch Familiennachzug. Anspruch auf Familienzusammenführung hatte jeder Ausländer nach 5 Jahren Aufenthalt in der BRD. Dass dadurch Gastarbeiter zum längeren Aufenthalt animiert würden, war gewollt gewesen, denn die Betriebe klagten über zu hohe Ausbildungskosten bei zu schnell rotierender Arbeitskraft.
Die Zahlen sprechen für sich (Ausländerzahlen 2008):

   Ausländische Wohnbevölkerung    % der Gesamtwohnbevölkerung
 1973   3 991 352  6,4
 1980  4 566 167     7,4
 1988  4 623 528   7,5

Lebten Anfang der 60er Jahre nur 20% der Gastarbeiter mit ihrer Ehefrau in Westdeutschland, waren es Ende der 80er Jahre 80% (Klaus J. Bade). Kinder wurden ebenfalls nachgezogen und/oder dazu geboren, was die ausländische Wohnbevölkerung noch wachsen ließ. Als mit dem Anwerbestopp klar wurde, dass eine Rückkehr ins Herkunftsland definitiv wäre, entschieden sich die Migranten, lieber in Deutschland zu bleiben und die Familie kommen zu lassen. Der Anwerbestopp wirkte also boomrangartig und führte zu mehr Niederlassung als gedacht.    
    Politik und Wirklichkeit klafften dann bis Ende der 90er Jahre auseinander: Die deutsche Gesellschaft nahm immer mehr Ausländer auf, mit mehr oder weniger Erfolg, mit mehr oder weniger Integrationsschwierigkeiten, aber auch gegenseitiger Anerkennung (Ausländerfeindlichkeit, Rechtsextremismus nahmen zu, gemischte Ehen und Freundschaften aber auch); die Migranten und ihre Kinder indessen durchliefen einen von den Soziologen bekannten Prozess der Integration ins Aufnahmeland: Familiennachzug und -bildung, private Wohnverhältnisse, höhere Konsumbereitschaft, Lockerung der Bindungen ans Heimatland, dafür Verinnerlichung der Standards des Aufnahmelands. Der politische Diskurs bestand aber immer noch darauf, dass Deutschland zur Aufnahme von Ausländern nicht berufen sei. So war die deutsche Gesellschaft nicht darauf gefasst, was Ende der 80er Jahre auf sie zukam, und zwar die größten Zuwanderungswellen seit den 50er Jahren.

 

3. Rekordzuwanderungen von Aussiedlern und Flüchtlingen 1988-1993

3.1 (Spät-)aussiedler

    Bei den Aussiedlern handelt es sich wieder um deutsche Minderheiten aus Mittel- und Osteuropa.  Im Französischen spricht man manchmal von "Allemands de souche". Sie werden als "Aussiedler" bezeichnet, wenn sie vor den ersten legislativen Maßnahmen zur Eindämmung ihrer Ankünfte 1992/93 kamen, als "Spätaussiedler" wenn sie nach 1993 in die BRD zogen.
    War ihr Zustrom seit den 60er Jahren wegen der Ausreisrestriktionen im Ostblock fast zum Erliegen gekommen, nahm ihre Zuwanderung nach Westen Ende der 80er Jahre wieder zu. Gründe dafür waren die unerträglichen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Polen, Rumänien usw., und die Unterstützung der BRD, die von diesen Ländern quasi Quoten von Ausländern gegen finanzielle oder kommerzielle Begünstigungen tauschte, damit diese Deutschen die Erlaubnis zur Auswanderung erhielten. Ab 1988/89 und verstärkt ab 1990 erfolgten dann diese Bewegungen zunehmend spontan, die Grenzübergänge wurden durch den Fall der kommunistischen Regimes viel einfacher.
    Dieses Ausmaß der Rückwanderungen hatte die westdeutsche Gesellschaft nicht erwartet und es erfolgten Rekordzuwanderungen in die BRD: Waren 1,4 Millionen Aussiedler zwischen 1950 und 1987 nach Westen gezogen, kamen weitere 1,5 Millionen von ihnen allein zwischen 1988 und 1992. 1988 kamen mehr als 200 000 Aussiedler in der BRD an, 1989 und 1990 jeweils fast 400 000, dann über 200 000 jedes Jahr bis 1995, erst ab dem Jahr 2000 fällt ihre Zahl unter 100 000 jährlich (Aussiedler).
    Die Herkunft dieser Aussiedler änderte sich ein bisschen im Laufe dieser Rekordjahre: Bis 1989 stammten 60% von ihnen aus Polen, 15% aus Rumänien und 8% aus der Sowjetunion. Diese Verhältnisse haben sich dann umgekehrt und ab 1990 kamen 60% der Aussiedler aus der (ehemaligen) Sowjetunion, 95% sogar seit 1995. Dies wirkte sich auf die Aufnahmepolitik der BRD aus.    
    Anfangs wurden die Aussiedler weiterhin gut empfangen. Sie genossen einen privilegierten Status und wurden wirtschaftlich gefördert: Es wurden Wohnungen und Arbeitsstellen vermittelt, und sie hatten Anspruch auf Sozialhilfe. Ab 1990 änderte sich diese Lage: Die hohen Zahlen addierten sich nämlich mit Rekordzuwanderungen von Asylbewerbern und Kriegsflüchtlingen und bewirkten Panik in Westdeutschland. Auch wurden die materiellen Probleme ihrer Aufnahme (v.a. die Schaffung von Unterkünften) und die Kosten für ihre Förderung immer höher. Schließlich zeigten die "Russlanddeutschen" aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse größere Integrationsschwierigkeiten als bis zu diesem Zeitpunkt die anderen Aussiedler.
    1990 wurde das Anerkennungsverfahren zum Aussiedlerstatus im Aussiedler-aufnahmegesetz erschwert. Das Kriegsfolgenbereinigungsgesetz von 1993 bildete aber der entscheidende Schritt zum programmierten Ende der Aussiedlerzuströme: Als (Spät-)aussiedler werden künftig nur Personen anerkannt, die vor dem 1.01.1993 geboren wurden. Dazu müssen sie den Beweis erbringen, dass sie persönlich unter Diskriminierung leiden, dass sie infolge des Zweiten Weltkriegs und der darauffolgenden Zwangsübersiedlungen sich dort befinden, wo sie wohnen, und dass sie die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. De facto kam nur noch Russland als Herkunftsland in Betracht, die anderen mittel- und osteuropäischen Länder galten als sicher und den Minderheiten gegenüber nicht diskriminierend. Ende der 90er wurde noch ein Sprachkenntniskriterium hinzugefügt.
    Die Zuströme versiegten entsprechend und 2008 gab es nur noch 4 362 Spätaussiedlerankünfte in Deutschland. Die Integration der (Spät-)aussiedler aus Russland bleibt problematisch, v.a. weil sie nur unter großen Schwierigkeiten Arbeitsstellen finden. Noch schlechter gestellt sind aber humanitäre Flüchtlinge.
 

3.2. Asylbewerber

    Im selben Zeitraum (1988-1993) empfing Deutschland eine Rekordzahl an Asylbewerbern und anderen Kategorien von Flüchtlingen. In allen Fällen sind es Personen, die aus ihrem Heimatland fliehen, sei es wegen politischer Verfolgung oder Diskriminierung wegen der ethnischen Herkunft, der Religion, des Geschlechts, usw., sei es wegen eines Kriegs oder Bürgerkriegs. In allen Fällen suchten diese Ausländer Schutz in der BRD; die meisten stellten einen Asylantrag mit dem Ziel, als "Flüchtling" anerkannt zu werden und somit gewisse Rechte zu genießen. Sie sind "Asylbewerber", solange das Verfahren dauert. Die anderen Kategorien, z.B. Kriegsflüchtlinge, Juden aus der ehemaligen Sowjetunion, Kontingentflüchtlinge, Familienangehörige von anerkannten Flüchtlingen, usw., erhielten sofort ein Aufenthaltsrecht. Damals galt dieser Status vor allem Flüchtlingen aus dem ehemaligen Jugoslawien, das gerade in mehrere bewaffnete Konflikte zerfiel.
    Bis 1987 blieb die Zahl der Asylanträge immer weit unter 100 000 jährlich. Wie bei den Aussiedlern änderte sich die Lage 1988 mit 103 000 Anträgen; 1991 waren es über 250 000. Das Jahr 1992 bildete den absoluten Rekord mit 438 191 Asylanträgen, 1993 waren es noch 322 599; aufgrund mehrerer restriktiven Maßnahmen waren es 1994 nur noch 127 000, ab 1998 befand sich die Zahl der Asylanträge wieder unter 100 000 und ihre Zahl nahm dann kontinuierlich ab. 2003 zählte man um die 50 000 Asylanträge in der BRD, 2008 22 000. Durch diese massiven Zuströme erhöhte sich die Zahl der in Deutschland lebenden Asylbewerber, bzw. Flüchtlinge rasant: Von 475 000 1985 auf 1,4 Millionen 1993 (Cécile Prat-Erkert). 2002 waren es noch über 980 000, 2008  sind es 123 000.
    Wie schon seit einiger Zeit kam die Mehrheit der Asylbewerber entweder aus Osteuropa oder aus Asien; die zehn größten Herkunftsländer in den 90er Jahren waren, in dieser Reihenfolge, Serbien-Montenegro, Rumänien, die Türkei, Bulgarien, Afghanistan, Vietnam, Irak, Bosnien-Herzegowina, Iran und Sri Lanka. Da ein Teil der Asylbewerber aus den gleichen osteuropäischen Staaten kamen wie die Aussiedler, bestand eine gewisse Unklarheit in den Köpfen und sie wurden oft gleichgesetzt.  
    Das Asylrecht gehört zu den Grundrechten in der BRD (Art.16 GG), auch hat Deutschland sehr früh die Genfer Konvention zum Schutz von Flüchtlingen unterzeichnet (1951); es musste also diese Anträge entgegennehmen und bearbeiten. Diese Ankünfte stellten aber die Behörden vor mehrere Probleme: Erstens war die praktische, materielle Aufnahme kompliziert und teuer (Unterkünfte, Ernährung, z.B.). Zweitens war das Asylsystem schon vor diesen massiven Zuströmen überfordert und die Dauer des Verfahrens, ob vor der Asylbehörde (damals Bundesamt für ausländische Flüchtlinge) oder vor der Justiz, erstreckte sich nun auf Monate, sogar auf Jahre. Drittens wurden die meisten Asylbewerber nicht als Flüchtlinge anerkannt, denn man hatte die Kriterien zur Anerkennung in den 80er Jahren verschärft, sie durften aber auch nicht vom deutschen Boden entfernt werden, weil sie aus verpflichtender humanitärer Sicht gefährdet waren. Sie wurden also zu sogenannten "de facto-Flüchtlingen", die auf längere Zeit in Deutschland blieben und den gleichen oben beschriebenen Integrationsprozess durchlebten. Ein gewaltiger Unterschied war aber, dass sie nicht arbeiten durften und deshalb jahrelang aus Sozialhilfe leben mussten. Das Ergebnis waren und sind heute noch zerrüttete Eltern und Kinder, die unter keinen Bedingungen zurück wollen, dafür aber keine Zukunftsaussichten in Deutschland haben.
Das politische und soziale Klima wurde gespannt und die Ablehnung der "Asylanten" fand öfters Ausdruck. In den schlimmsten Fällen kam es zu Mord und Anschlägen seitens der Rechtsradikalen. Es wurden tatsächlich restriktive Maßnahmen getroffen, vor allem 1993 nach langen Debatten eine Verfassungsänderung, die das Asylrecht im Grundgesetz einschränkte und gewisse Antragsteller von vorn herein aus dem Asylrecht ausschloss. Durch andere legislative Schritte (Asylverfahrensgesetz, Asylbewerberleistungsgesetz) verschlechterte man die Lebens- und Aufenthaltsbedingungen der Asylbewerber in Deutschland zum Zweck der Abschreckung. Die Kirchen und manche Vereine wie Pro Asyl, die Grünen, zum Teil die SPD versuchten, diese Regelungen zu lindern, erreichten aber zunächst nicht viel. Es galt immer noch das Motto, Deutschland sei kein Einwanderungsland.


4. Restriktive Einwanderungspolitik 1993-2000


    In den darauf folgenden Jahren war die BRD bemüht, die Zahl der auf ihr Territorium ankommenden Ausländer möglichst zu begrenzen, schaffte es aber nur zum Teil. Man stellt keine massiven Zuwanderungen mehr fest, ebensowenig herrschte eine bestimmte Zuwanderergruppe vor, dafür erfolgten Migrationen auf verschiedenen Wegen: Familiennachzug, Studienaufenthalt, Arbeit und Saisonarbeit, Asyl... Die Zahl der ausländischen Wohnbevölkerung erhöhte sich dementsprechend, und stabilisierte sich dann Ende der 90er Jahre (Ausländerzahlen 2008):  
 
   Ausländische Wohnbevölkerung  % der Gesamtwohnbevölkerung
 1993  6 977 476    8,6
 1996  7 491 650  9,1
 2000  7 267 568   8,9
    
  Bekannterweise ist die Praxis der Einbürgerung in Deutschland begrenzt, Ausländer bleiben dort länger Ausländer als beispielsweise in Frankreich.
Die Einbürgerungen spielen deshalb nur eine nebenrangige Rolle in der Ausländerstatistik.
    Ende der 90er Jahre zeichnete sich eine Wende in der öffentlichen Debatte über Zu- und Einwanderung ab. Langsam setzte sich die Erkenntnis durch, dass Ausländer zu einem wichtigen Bestandteil der deutschen Gesellschaft geworden waren. Auch die Alterung der Gesellschaft und die niedrigen Geburtszahlen, manche Arbeitskraftmängel ließen die Idee zum Vorschein kommen, dass ein gewisses Maß an Einwanderung vielleicht nicht so schlecht sei.
Mit der Wahl Gerhard Schröders wurde das restriktive Kapitel beendet. Seine Regierung beschäftigte sich zunächst mit der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts (C. Prat-Erkert). Aus dem ursprünglichen Projekt, die Möglichkeit der doppelten Staatsangehörigkeit einzuführen ("Doppelpass"), wurde aufgrund des Widerstands der CDU und eines Teils der Bevölkerung eine Erleichterung der Einbürgerung vorgenommen, sowie das Optionsmodell angenommen: In Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern müssen sich zwischen 18 und 23 für eine Staatsangehörigkeit entscheiden (dieses Modell erweist sich zur Zeit als schwierig und wird zunehmend in Frage gestellt). Im Jahr 2000 rückte das Thema Arbeitsmigration wieder in den Vordergrund.


5. Neue Migrationspolitik seit 2000


    Groß angekündigt wurde im Juli 2000 die sogenannte Green-Card-Initiative. In Anlehnung an das amerikanische Modell wurde ein Aufenthaltsrecht für hoch, bzw. sehr hoch qualifizierte Arbeitnehmer geschaffen, die im Gebiet der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien arbeiten. Sie erhalten sofort eine Arbeitserlaubnis und eine Aufenthaltserlaubnis auf 5 Jahre für sich und ihre engsten Familienangehörigen. Dies wurde als die partielle Aufhebung des Anwerbestopps dargestellt, was zugleich stimmte, aber keine Neuheit war: Schon in den 80ern bzw. 90ern wurde der Anwerbestopp in manchen Branchen aufgehoben (Landwirtschaft, Krankenpflege, Baubranche, Gastronomie und Hotelwesen), um Saison- und/oder langfristige Arbeit zu ermöglichen. Dies geschah aber ohne große Werbung. Die Green-Card, auch wenn sie an sich kein großer Erfolg wurde, bedeutete eher eine Wende im öffentlichen Diskurs. Seitdem konnte von der Notwendigkeit einer neuen Migrationspolitik die Rede sein.
    Im Anschluss wurde eine interparteiliche Kommission unter Führung von Rita Süssmuth eingesetzt, die sich mit den Grundzügen dieser neuen Politik auseinandersetzen sollte. Auf der Grundlage ihres Berichts erfolgte die Debatte um ein neues Zuwanderungsgesetz, die sich von 2001 bis 2004 erstreckte, woran man den heiklen Aspekt des Themas erkennen kann. Über viele Ideen wurde geredet, von einem Punktesystem wie in Amerika bis zur Anerkennung aller de facto-Flüchtlinge. Schon der Name (Zu- oder Einwanderungsgesetz?) wurde Gegenstand heftiger Diskussionen. Schließlich wurde im Juli 2004 das Zuwanderungsgesetz verabschiedet, das im Januar 2005 in Kraft trat (Gesetz zur Steuerung und Begrenzung der Zuwanderung und zur Regelung des Aufenthalts und der Integration von Unionsbürgern und Ausländern).
    Schon der Name zeigt, dass es sich um einen Kompromiss handelt. Im Bereich der Arbeitsmigration werden hoch qualifizierte Arbeitnehmer von den niedrig qualifizierten unterschieden: Einwanderung wird für die ersteren leichter gemacht, bleibt für die letzteren die Ausnahme. Die Niederlassung von Unternehmern ab einer bestimmten Unternehmengröße sowie Studienaufenthalte werden begünstigt. Studenten, die ihr Studium in Deutschland absolviert haben, dürfen ein Jahr nach Abschluss bleiben, um dort eine Arbeit zu suchen. Im Bereich des Familiennachzugs wird eine europäische Norm umgesetzt, und zwar die Altersgrenze bei 18 (statt 16 zuvor). Für alle Ausländer werden die Aufenthaltstitel vereinfacht und auf zwei reduziert (Aufenthaltserlaubnis und Niederlassungserlaubnis). Die Duldung, ein prekärer Aufenthaltstitel, der innerhalb der EU nur in Deutschland so besteht, bleibt aber erhalten, u.a. für abgelehnte Asylbewerber. Die Integration von Ausländern soll durch die obligatorische Teilnahme an "Integrationskursen" gefördert werden.
    Das Thema Integration wurde immer präsenter und zu einem zentralen Anliegen der Regierung Angela Merkels. Schon Ende 2005 wurde das Angebot an Integrationskursen erweitert: Jeder Ausländer, der voraussichtlich über längere Zeit in Deutschland bleiben wird (Familiennachzug insbesondere), muss nun an diesen Kursen teilnehmen, v.a. wenn er Sozialhilfen genießen will. 600 Stunden Sprachunterricht und 45 Stunden "Orientierung" (Geschichte, Verfassung, Hauptgrundrechte und -gesetze) sind das klassische Muster. Frauen bekommen Sonderkurse, die auf ihre Rechte auf dem deutschen Territorium bestehen.
Insbesondere gilt nämlich das Interesse dem Islam: Seit den New Yorker Anschlägen 2001, der Kopftuchdebatte in Frankreich und in Deutschland 2004 u.a. herrscht ein gewisses Misstrauen, zumindest eine gewisse Furcht davor, die Muslime könnten sich nur schwierig in den westlichen Ländern integrieren, v.a. in Hinsicht auf die Frauengleichheit und -rechte. So wurde 2006 die Deutsche Islam-Konferenz errichtet, die aus Vertretern des Bundes, der Länder und Gemeinden sowie der muslimischen Organisationen zusammengesetzt ist. Deren Ziel ist es, durch Dialog zur Integration der Muslime in Deutschland beizutragen. Geschlechtergleichheit, Trennung von Staat und Religion, die Frage der religiösen Symbole u.a. sind dort Gesprächsthemen.
Bildung und Ausbildung von Migrantenkindern sowie Beherrschung der deutschen Sprache sind ebenfalls wichtige politische und öffentliche Themen. Im Sommer 2007 wurde unter Kontroversen das Zuwanderungsgesetz mit Schwerpunkt Integration reformiert; zwei Tests für Einbürgerungskandidaten wurden eingeführt: ein Sprachtest, der ausreichende Deutschkenntnisse garantieren soll, und ein Einbürgerungstest, der aus 33 Fragen zu ähnlichen Themen wie in den Integrationskursen besteht. Auch müssen nun Einwanderungswillige einen Sprachtest schon im Heimatland bestehen, bevor sie die Erlaubnis zur Einreise bekommen.
Die neue deutsche Migrationspolitik ist also heutzutage ambivalent: Angela Merkel hat in ihrer Regierungserklärung im November 2009 darauf hingewiesen, dass Deutschland jetzt noch mehr Einwanderung braucht, sei es aus arbeitsmarktpolitischen oder demografischen Gründen. Integration solle zunehmend über Bildung und Ausbildung möglich gemacht werden. Jahrzehntelange Verleugnung des Migrationsgeschehens und soziokulturelle Unterschiede erschweren aber immer noch auf deutscher wie auf ausländischer Seite die Entfaltung einer dynamischen Migrationspolitik und eines harmonischeren Miteinanderlebens.
 

Bibliographie


Asyl in Zahlen 2008, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 2008, www.bamf.de
Ausländerzahlen 2008, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 2008, www.bamf.de
BADE Klaus J., Vom Auswanderungsland zum Einwanderungsland? Deutschland 1880-1980, Berlin, Colloquium-Verlag, 1983.
ELSNER Eva-Maria, ELSNER Lothar, Ausländer und Ausländerpolitik in der DDR, Hefte zur DDR-Geschichte, Abhandlungen 2, Berlin, 1992.
HERBERT Ulrich, Geschichte der Ausländerpolitik: Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge, München, C.H. Beck, 2001.
HUBERT Michel, L'Allemagne en mutation - Histoire de la population allemande depuis 1815, Paris, Presses de la Fondation Nationale des Sciences Politiques, 1995.
MÜNZ Rainer, Deutschland wird Einwanderungsland - Rückblick und Ausblick, in: Zuwanderung und Asyl, Schriftenreihe des Bundesamtes für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge, Nürnberg, Bd 8, 2001.
PRAT-ERKERT Cécile, Les réformes récentes du droit de la nationalité: droit du sang et droit du sol en Allemagne, www.lacledeslangues.fr
PRAT-ERKERT Cécile, Les demandeurs d'asile politique en Allemagne de 1945 à nos jours - Aspects démographiques, politiques, juridiques et sociologiques, Paris, L'Harmattan, 2006.
VOLKWEIN Alice, "Flucht und Vertreibung" : contexte et antécédents, article en ligne sur La Clé des langues,
WENDT Hartmut, Zuwanderung und Asyl vor dem Hintergrund demographischer Entwicklungen, in: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, Wiesbaden, 2/3 1997.


Im Unterricht


  • Abbildung Ausländische Bevölkerung in Deutschland von 1951 bis 2008  (S.3) und Tabelle Gesamtbevölkerung und Ausländer von 1951 bis 2008 (S.4) in der Broschüre Ausländerzahlen 2008
Zum Download: bamf.de

Die Abbildung der Ausländerzahlen in Deutschland von 1951 bis 2008 und die Tabelle über das Verhältnis von Ausländern und Gesamtbevölkerung ermöglichen das sofortige Verständnis der Entwicklung der ausländischen Bevölkerung und sollten ergänzend zur Lektüre des Artikels verwendet werden. Auch kann ihre Betrachtung als Anlass zur Kommentierung von Zahlen und Statistiken gut dienen. Man kann z.B. die verschiedenen Phasen der deutschen Einwanderungsgeschichte beobachten und mit dem passenden Wortschatz schildern. 
 
  • Text: Interview des Historikers Jochen Oltmer aus Focus-online 2007: "Migration ist der Normalfall menschlicher Existenz"
Zum Lesen: focus.de

Dieser Text aus Focus online bietet in einer leicht verständlichen Sprache erweiternde Einsichten über das Phänomen der Migration. Vor allem die historischen Rückblicke auf die deutsche Migrationsgeschichte vor 1945 und die Hinweise auf die Auswanderungen aus Deutschland wirken ergänzend zum Artikel. Die verschiedenen Etappen der Einwanderung nach Deutschland seit 1945 werden aber dort ebenfalls knapp geschildert.  


Cécile Prat-Erkert (MC Valenciennes). 2010. "Deutschland, Einwanderungsland: Zu-, bzw. Einwanderung nach Deutschland seit 1945".
La Clé des Langues (Lyon: ENS LYON/DGESCO). ISSN 2107-7029. Mis à jour le 7 février 2010
Consulté le 25 novembre 2017
Url : http://cle.ens-lyon.fr/immigration-et-integration/deutschland-einwanderungsland-zu-bzw-einwanderung-nach-deutschland-seit-1945-86303.kjsp

Témoignages
Einzelschicksale und Lebensläufe von Migranten
migration-boell.de

Migrationsgeschichten zum Hören
migration-audio-archive.de

"Zwei Sprachen machen reicher", eine Audioslideshow Berliner Migranten erzählen
goethe.de

Ein Beispiel: der Integrationsplan des Berliner Bezirks Marzahn
migration-boell.de

Unterrichtsaktivitäten (zum Thema Gastarbeiter) :
goethe.de

Video Deutsche Welle Integrationsland Deutschland
dw-world.de
Cartes et chiffres
Daten und Fakten zur Migration
migration-online.de

Fakten zur Migration in Europa
ec.europa.eu

Einwandererkarte
spiegel.de

Glossar zentraler Begrifflichkeiten Interkulturalität
ikud.de
Pour aller plus loin
Informationen zur politischen Bildung, Bundeszentrale für politische Bildung,
bpb.de

Quelle immigration pour l'Allemagne dans les années à venir ?
library.fes.de

Les flux migratoires entre 1989 et 1990
persee.fr

Reform des Zuwanderungsgesetzes von 2007
bmi.bund.de

Einbürgerungstest
oet.bamf.de

Gesamtfragenkatalog zum Einbürgerungstest
bmi.bund.de


 
 
Mise à jour le 11 avril 2017
Créé le 25 janvier 2010
ISSN 2107-7029
DGESCO Clé des Langues