Vous êtes ici : Accueil / Arts / Peinture et sculpture / Vergleich Hrdlickas "Friedrich-Engels-Denkmal" und Michelangelos "Sklaven" sowie "Kentaurenschlacht"

Vergleich Hrdlickas "Friedrich-Engels-Denkmal" und Michelangelos "Sklaven" sowie "Kentaurenschlacht"

Publié par MDURAN02 le 03/07/2009
Comparaison entre une oeuvre du sculpteur autrichien Alfred Hrdlicka, un monument commémoratif en l'honneur de Friedrich Engels, et deux oeuvres du sculpteur de la Renaissance Michel-Ange.
Julia Klarmann lectrice ENS LSH
 

"Sie wollen wohl ein zweiter Michelangelo werden!", war die Reaktion Fritz Wotrubas auf die Abschlussarbeit Hrdlickas im Jahre 1957. Dieses Zitat verdeutlicht die enge Beziehung Hrdlickas zum großen Renaissance-Meister. Seit seinem Frühwerk war Michelangelo eine wichtige Inspirationsquelle für Hrdlicka. Nicht nur thematisch - beide interessieren sich fast ausschließlich für die menschliche Figur -, sondern auch technisch: Hrdlicka arbeitet wie Michelangelo in "taille directe" also direkt am Steinblock, was bedeutet, dass die Figur in der Imagination des Künstlers Gestalt haben muss. Das "Friedrich-Engels-Denkmal" in Wuppertal bietet sich an, um einige Parallelen zwischen den beiden Bildhauern aufzuzeigen. Eventuell dienten die "Sklaven" Michelangelos sogar als Vorbild für seine Darstellung der Gefesselten. Den Sklaven ähnlich ist das Hervordringen einzelner Körperpartien aus dem grob behauenen Stein. Es scheint, als wollten sich die Figuren aus dem Stein befreien. Bei beiden Werken fällt das Interesse für muskulöse Körper auf, die kämpfen, miteinander ringen und sich in irgendeiner Art und Weise zu befreien versuchen. Weiter muss man sich bei der Skulptur Hrdlickas das Problem der Darstellung von Masse vergegenwärtigen. Es ist äußerst schwierig mehrere Personen in einer Einheit darzustellen. Hrdlicka sagte dazu:

[...] Wie mache ich aus so einem rohen Block auf engem Raum eine Masse? Ich gehe vom Zentrum aus und mache eine Masse, die unübersichtlich ist, rundherum, und man weiß nicht, wie viele Hände und wie viele Füße - ich habe also mit einem ganz seltsamen Trick der Unklarheit die Masse dargestellt. Ich habe also nicht eine Masse in der plastischen Anhäufung verschiedener Individualitäten wie bei Rodins Bürgern von Calais gemacht, [...]. (Knieriem, 1981, S. 24)

Dem Problem der Darstellung von Masse war auch Michelangelo in seinem Relief der "Kentaurenschlacht" von 1491/92 ausgesetzt. Ebenso wie beim "Friedrich-Engels-Denkmal" hat man auf Anhieb den Eindruck von Chaos und fragt sich bei beiden Werken, was denn überhaupt dargestellt ist und wie viele am Kampf Beteiligte zu sehen sind. In beiden Werken erkennt man stellenweise nur einzelne Körperteile, einen Rücken ohne die restliche Figur, einen Arm oder einen Kopf, von dem man nicht weiß, zu welchem Körper er gehört. Sowohl im Werk Hrdlickas als auch in dem von Michelangelo dominiert also eine Leibsprache in einer Synthese von Ausdrucksgesten und Zielgesten, der Leib als Primat und Wesenhaftes - und dabei wiederum fungieren die gefesselten Arme und Fäuste (bei Hrdlicka) und die starken Beine und großen Füße als Träger der oberen Teile. Es ist in beiden Werken das "natürliche Nackte", das die Qual der Unterdrückung und der Ausbeutung und zugleich die Zielgesten zur Befreiung zu tragen hat. Beide entschieden sich für die torsohafte Figur, um die "starke Physis"  - wie Hrdlicka es nennt - anschaulich wirksam machen zu können (Schubert, 2007, S. 21). Und so sichern sich beide Werke auch den Aspekt der Überzeitlichkeit: Im Fall Hrdlickas stehen die Geketteten für die Lage der arbeitenden Klasse aus der Zeit um 1850, für die Unterdrückten des vorigen Jahrhunderts, und sind somit zugleich offen für die Wirkung und Rezeption in unserer Zeit. Im Falle Michelangelos ist zwar die Schlacht der Kentauren dargestellt, steht aber gleichermaßen für den körperlichen Kampf unter Menschen generell. So gelingt es also beiden Bildhauern, eine Synthese aus dem Besonderen und Allgemeinen herzustellen, die (nach Hegel) jedem wesentlichen Kunstwerk zu eigen sein muss, will es über die Grenzen seiner Zeit wirken (Schubert, 2007, S. 21).

Pour citer cette ressource :

"Vergleich Hrdlickas "Friedrich-Engels-Denkmal" und Michelangelos "Sklaven" sowie "Kentaurenschlacht"", La Clé des Langues [en ligne], Lyon, ENS de LYON/DGESCO (ISSN 2107-7029), juillet 2009. Consulté le 21/05/2018. URL: http://cle.ens-lyon.fr/allemand/arts/peinture-et-sculpture/vergleich-hrdlickas-friedrich-engels-denkmal-und-michelangelos-sklaven-sowie-kentaurenschlacht-

Mots-Clés
  • Bildhauerei
  • sculpture
  • Leibsprache
  • langage du corps
  • Ausbeutung
  • exploitation
  • Unterdrückung
  • oppression
  • Kampf
  • lutte